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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
Die neuen Zölle
Date
1928-05-01
Page
Seite 262 (sequence 2)
Language
German
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262 der typische Fall des kleinen Marktes, ohne Anschluß an den internationalen Kapitalmarkt, mit ganz geringem Eigenkapital und unentwickelten Wirtschaftskräften. Hier kann jedes große Auslandsunternehmen ohne große Beschwerlichkeiten eine neue mittlere oder kleine Inlandsfabrik in kurzer Zeit durch Dumping niederkonkurrieren und danach, vielleicht zusammen mit ein paar anderen Auslandsfirmen, den Markt beherrschen, In Palästina heißt daher Freihandel praktisch künstliche, gewaltsame Abschnürung der Produktivkräfte des Landes. Dies ist nicht etwa Theorie, sondern bittere Lehre der Tatsachen. Das Dumping spielt im Auslandsgeschäft, wenigstens in dieser Weltgegend, eine ganz andere Rolle, als sich der mit dem Inland arbeitende europäische Kaufmann es im allgemeinen vorstellt. Selbst da, wo Produkte durch Preiskonventionen geschützt sind — und man kann beinahe fragen: „Welche Waren sind das heute nicht?" — untenbieten sich die der Konvention angeschlossenen Firmen — darunter selbst große Häuser von Weltruf — insgeheim. Vor allem aber: seit wir die Anfänge einer jüdischen Industrie in Palästina haben, gibt es auch dauernde Versuche ausländischer Konkurrenzfirmen, die bisher den Markt beherrschten, die neuen Fabriken im Keime zu ersticken. Nicht immer erfolglos, wo sie nicht auf mächtige Kapitalgruppen stoßen. So wurde, wie ich schon früher an anderer Stelle ausführte, vor ein paar Jahren die ,,Moon"-(Sohar-)Kerzenfabrik durch eine systematische. Unterbietungstaktik einer igroßen europäischen Firma ohne Rücksicht auf Verluste — wenn es mir recht erinnerlich ist, gingen die Preise damals um mehr als die Hälfte herunter — ruiniert, so ging man, mit etwas versteckteren Mitteln, gegen die Schokoladenfabrik „Raanan" nach ihrer Reorganisierung vor, durch Verkauf von Schokoladen, deren Vertrieb in den Herstellungsländern gesundheitspolizeilich verboten ist: so wurden, wie berichtet wird, die Streiichholziabrik „Nur" und die Zementfabrik „Nescher" von ähnlichen Preiskämpfen bedroht. Würde man unter solchen Verhältnissen Freihandel walten lassen, so würde man für ein Auslandsmonopol auf dem palästinensischen Markte eintreten, wenn auch daran viele Partner beteiligt sind. Man würde daher die freie Wirtschaft direkt vernichten und damit auch ihre Segnungen, zum Beispiel die billigste Versorgung des Konsumenten. Denn unter dem Auslandsmonopol könnte der Inlandskunde, selbst in dem idealsten Falle, nur zu einem Preise beliefert werden, der es der mit den geringsten Unkosten arbeitenden Auslandsfabrik noch gewinnbringend erscheinen läßt, das Geschäft zu machen, nicht aber zu dem billigsten Preise ü b e r h a u pt, wenn dieser nur von einer im I n 1 a n d e arbeitenden Fabrik erstellt werden kann, Selbst abgesehen von allen nationalen Gesichtspunkten, die für uns schließlich entscheidend sein müssen, ist daher heute aus rein wirtschaftlichen Gründen ein Zollschutz für die Industrie Palästinas erforderlich, selbstverständlich ein Zollschutz unter gewissen Kautelen, die eine schädliche Preistreiberei verhindern, wie sie zum Beispiel durch Bindung der Zölle an die Respektierung einer gewissen Höchstgrenze für die Preise der Inlandsprodukte zu erreichen sind. Dies vorausgeschickt, wollen wir den neuen Zolltarif näher betrachten. Er ist zwar schwer mit seinem Vorgänger zu vergleichen, weil er in sehr vielen Fällen eine andere Bemessungsgrundlage vorsieht, und zwar statt des Fakturenwertes der zollpflichtigen Ware, deren Gewicht — eine höchst zweckmäßige Vervollkommnung, die eine gefährliche Defraudationsmöglichkeit beseitigt — aber trotzdem läßt sich bei näherer Analyse feststellen, daß er den Schutz einer Anzahl Inlandsprodukte vergrößert hat. Am auffälligsten ist die Begünstigung der Zementindustrie durch die Heraufsetzung des Zementzolles von 200 auf 600 Müs per Tonne1). Nach Ansicht *) Mit Rücksicht auf die geringe Differenz zwischen ägyptischen Milliemes, nach denen der alte Tarif aufgestellt war, und palästinensischen Mils, in denen der neue rechnet — es handelt sich nur um 2Y> Prozent — benennen wir der Einfachheit halber auch die Sätze des älteren Tarifs mit Mils.

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