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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 242

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
Die natürlichen Bedingungen Palästinas und die Zukunft unserer Kolonisation
Date
1928-05-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 daß der Getreidebau eine höchst unrentable Wirtschaft bleiben wird, der ohne große Flächen und ohne arabische Arbeit seinen Mann nicht einmal kläglich ernähren wird. Von dieser Erkenntnis ausgehend sollen die naturgesetzlichen Bedingungen hier erörtert werden, die unserer Arbeit in der Zukunft eine zwangsläufige Bahn vorschreiben werden, innerhalb und nur innerhalb derselben sich eine Entwicklung nach aufwärts vollziehen kann. Es sind hier eigentlich zwei Faktoren bestimmend, die nur bis zu einem sehr beschränkten Grad durch Menschenhand variiert werden können (Bodenbeschaffenheit und Bewässerungsmöglichkeit). Erst in zweiter Linie treten klimatisch-sanitäre Gesichtspunkte hinzu. Verkehrsgeographische spielen bei der Kleinheit des Lahdes nur eine untergeordnete Rolle. Unter dem Begriffe »Boden« versteht man bekanntlich die oberste Verwitterungsrinde unserer Erdkruste, die unter dem Einfluß der Atmosphäre und des organischen Lebens gebildet, die Trägerin des Pflanzenwuchses ist. Die gebirgigen Teile Palästinas ermangeln zum großen Teile einer Bodenkruste. Die Verwitterungsprodukte des Kalkgesteins, das den größten Teil des Gebirges aufbaut, werden meist in die tiefen und engen Trockentäler abgespült und nur schmale Fetzen sind am Gebirge hängen geblieben, meist durch künstliche Befestigung dem Ackerbau seit altersher nutzbar gemacht. Durch Terrassenbau hat die sich wirtschaftlich selbst genügende Bevölkerung des Altertums vieles Land der Kultur gewonnen. Heute sind diese zum großen Teil vernichtet und keine Kolonisation, die in die Gesetze der Rentabilität und der Weltwirtschaft eingebettet ist, darf diese Arbeit in Angriff nehmen. Wer den Fellachen des Gebirges gesehen hat, wie er mit seinem mageren Ochsen den steinigen Boden, den wenige Meter breiten Acker pflügte, wird wenige Hoffnungen auf die Entwicklungsmöglichkeiten dieses Landstriches hegen dürfen und selbst die Zehntausende von Pfunden, die unsere Kolonisation in den Gebirgskolonien um Jerusalem investiert hat, dürften nur die eine Frucht tragen, daß sie die Unmöglichkeit einer landwirtschaftlichen Kolonisation in diesem Gebiet für lange Zeit hinaus dartun dürften. Relativ noch am günstigsten sind die Bodenverhältnisse derjenigen Gebietsteile, in denen die geologische Formation des S e n o n zum Vorschein kommt. Hier macht der sonst mehr kalkige Boden einem mergeligen Untergrund Platz, der weniger steinig und mit dem Pflug leichter zu bearbeiten ist. Es ist daher kein Wunder, daß sich auf diesen Böden die verhältnismäßig dichteste Bevölkerung findet, und daß hier schon im Altertum die dichteste Besiedlung bestand. Das beste Beispiel ist hier Samaria, wo sich Dorf an Dorf reiht und auch die Zone zwischen der Ebene und dem eigentlichen judäischen Gebirge gleicht im Frühjahr einem einzigen Aehrenfeld. Aber es ist nicht zu verkennen, daß die wenigen jüdischen Kolonien, die innerhalb dieser Zone gelegen sind, niemals erfolgreich gewesen sind. Man braucht nur an das ursprünglich von den gewiß arbeitsfreudigen bulgarischen Juden besiedelte Artuf zu denken, das niemals auf einen grünen Zweig kommen konnte; an Hulda und Ben Schemen und andere. Ja selbst auf den an und für sich fruchtbaren Basaltböden, die von den westlichsten Ausläufern des Hauran noch an Palästina heranreichen (z. B. Rosh Pinah), konnte sich niemals eine wirklich gesunde Wirtschaft entwickeln.

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