Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 208 (sequence 2)
- Language
- German
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208 die zwar spärlichen, aber immerhin vorhandenen Nachrichten über städtische Siedlungen und deren Ueberreste in Palästina. Besonders interessant ist der Bericht über eine althebräische Inschrift, die in der Nähe von Athlith den Gebirgsaufgang an einer Straße •durch eine Inschriftsbezeichnung an einem Felsen enthält. Aus der Zeit der großen spanisch-arabischen Gelehrten und Dichter ist auch noch ein sehr intensiver Zusammenhang mit Palästina, trotz der Schwierigkeiten der Verbindung, ersichtlich. Insbesondere kann die Forschung Ben Zwis die Nachrichten seit der Wiederbesiedlung Palästinas durch europäische Juden in späterer Zeit verwerten. (Deren Ausgangspunkt ist durch die berühmte versuchte Palästinaübersiedlung des Rabbi Meir von Rothenburg bezeichnet, den Rudolf von Habsburg gefangensetzte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß schon diese Bewegung auf einem ganz bestimmten Zusammenhang mit Palästina fußte. Anm. d. Ref.) Es sind also insbesondere die Nachrichten der aschkenasischen Wiederbesiedlung und der kabbalistisch-chassidischen Palästinabewegung verarbeitet. Für die Forschungsweise Ben Zwis am bezeichnendsten ist die ausgezeichnete Studie über die althebräische Hafenstadt Elath am Roten Meere und deren Besiedlung mit Juden in frühmohammedanischer Zeit. Ben Zwi führt aus, wie Elath in der Königszeit des ersten jüdischen Staatswesens und in der Makkabäerzeit immer wieder für das jüdische Reich erhalten wurde. Die Tatsache, daß in Elath eine starke jüdische Siedlung in frühmohammedanischer Zeit vorhanden war, wird aus den arabischen Quellen beleuchtet. Dieser Nachweis ist auch für die Schlüsse über die jüdische Siedlung in Palästina zur damaligen Zeit mittelbar bedeutend. Denn wenn noch in der näheren Umgebung Palästinas größere Judensiedlungen bestanden, so ist umso eher anzunehmen, daß in Palästina selbst die Siedlung sich außerordentlich lange bewahren konnte. Ben Zwi hat auch gelegentlich der Bodenvermessung im Negeb wertvolle Arbeit für seine Forschung leisten können. Am Schlüsse des Buches gibt er einen außerordentlich interessanten Bericht über die Arbeit der vom Keren Kajemeth eingesetzten Kommission zur Feststellung der hebräischen Namensbezeichnungen der palästinensischen Ortschaften aus alter und neuer Zeit. Die Tatsache, daß die arabische Bevölkerung die hebräischen Namen aus der Zeit der jüdischen Besiedlung in talmudischer Zeit vollkommen bewahrt hat, ermöglichte es dieser aus jüdischen Wissenschaftlern zusammengesetzten Kommission, von den topographischen Namen des westjordanischen Palästina, die 975 besiedelte Ortschaften umfassen, 336 hebräische alte und neue Ortsbezeichnungen festzustellen, d. s. 34.5 Prozent der gesamten Siedlungen. Ein großer Teil dieser Namensbenennungen konnte unmittelbar mit den althebräischen Namen identifiziert und bezeichnet werden. Ben Zwi nennt diesen Vorgang »Geulath Haschern Haiwri«, die »Erlösung des hebräischen Namens«. Ein weiteres Drittel der Ortschaften konnte auf Grund der in den arabischen Namen enthaltenen Hinweise auf althebräische Bezeichnungen, wenn dieselben auch ihr genaues hebräisches oder aramäisches Sprachbild in der Literatur nicht erhalten haben, identifiziert werden. Dadurch konnten •64 Prozent des westjordanischen Jischuw hebräisch identifiziert bezw. bezeichnet werden. In diese Ziffer sind die durch die neueste zionistische Kolonisation eingeführten neuliebräischen Kolonie- und Farmnamen mit einbezogen. Die Bedeutung der auf diese Weise aus dem wissenschaftlichen Forschungskreise in die reale Wirklichkeit eingeführte Arbeit wurde natürlich dadurch erhöht, daß der Kommission als Vertreter der palästinensischen Regierung zwei Persönlichkeiten, Dr.. Meir und Dr. Duchan, letzterer bekannt durch sein (in Nr. 10/11 besprochenes) Buch »Dinei hakarkaroth be Erez Israel«, »Die Bodengesetzgebung in Erez Israel«, angehörten, und daß die palästinensische Regierung die Feststellungen dieser Kommission naturgemäß berücksichtigt. Durch die neue Forschung unserer jungen hebräischen Pioniere auch auf wissenschaftlichem Gebiete wird ein vollständiger Umschwung in der Mentalität der wissenschaftlichen Arbeit in der Diaspora angebahnt. Es erweist sich immer mehr, daß die moderne jüdisch-wissenschaftliche Forschung nirgends so sehr als in Palästina zu ihren wahren Quellen zurückkehren kann. Nicht zuletzt ist bei jeder wissenschaftlichen Forschung das treibende Motiv voranzustellen. Und es unterliegt keinem Zweifel, daß die jüdische Wissenschaft auf allen Gebieten nur in Palästina frei, in hebräischer Sprache, im Milieu des Heimatlandes sich entwickeln kann. Für die Mentalität der Diasporajuden und für die religiöse Erkenntnis des Golusproblemes kann es nicht genug hervorgehoben werden, daß die prophetische Aussage über die Besiedlung Palästinas in der Geschichte sehr wohl verankert ist, daß Palästina niemals aufgehört hat, die Ueberreste des Judentums zu bewahren, und daß die Rückkehr des jüdischen Volkes nach Palästina eine gottgewollte ist. Angesichts der Forschungen von Ben Zwi ist es auch wertvoll, darauf hinzuweisen, daß seine Anschauungen und Forschungsresultate mit den aus anderen benachbarten Gebieten neUestens von anderen Gelehrten gewonnenen übereinstimmen. Wir sind heute bereits in der Lage, aus der Geschichte der Juden in Nordafrika, Abessynien, Arabien, aus der Geschichte des Chazarenreiches und aus einer mit Hinblick auf diese