Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Ansiedlung auf Grund rationeller Milchwirtschaft
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 159 (sequence 8)
- Language
- German
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159 die Lösung für ein unlösliches Problem bringen. So werden z. B. die 100 Dunam Land dies jüdischen Siedlers niemals soviel Getreide tragen, als die tausend Dunam die« amerikamischen Siedlers, .die zwei oder vier Mucbkühe, »die er jetzt hat, niemals soviel tMfllohi und iDiing-er gelben als wenn er 10 Kühe hätte, idaese überdies mit einem an Protein reiahen Futter ernähren würde, wie es Oelkuclhen sind und 'die Dünger geben würden, also »das, was Palästina 'braucht. Es hat keinen Sinn, den Siedler dafür zu tadeln, daß er außerstande ist, (Erfolge zu erzielen, wenn man ihm nicht die Möglichkeit dafür [gegeben hat. Eine gute 'Bewirtschaftung setzt eine .gute Ausstattung, eiine gute Verwaltung sowie eine gute Arbeitsleistung voraus, ebenso wie ein Land für seine Unabhängigkeit genügend und gutes Land, gutes Klima sowie eine genügende Anzahl gesunder Arbeiter braucht, Wenn irgend eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, kann solch ein Land nicht uma'bhängig sein. Wenn der palästinensische Siedler eine einträgliche Besehaftiguinig, 'die Milchwirtschaft, hat, die ihn vor Mangel schützt, wird er darin bald Fachmann sein und wird sich überdies mit der Zeit auch in anderen Wirtschaftszweigen die erfonderiiche Erfahrung aneignen. Ich habe die Grundlagen einer gesunden Kolonisation angedeutet mit einer zufriedenen landwirtschaftlichen Bevölkerung auf einer mehr oder weniger ibreiten Basis, mit reichlicher Landzuweisung, »denn 'das Wachsen der lEarmedbamilien 'ist hier in Betracht gezogen. Eine weitere Teilung in kleinere Parzellen kann immer Platz greifen: unmöglich ist es aber, eine Wirtschaft von bestimmtem Umfange zu vergrößern. Die Wohlfahrt der ersten Generation verbürgt die Sicherheit der zweiten. Bei einer Wirtschaft von 25 Dunam bewässertem Boden mit 5 oder 6 Milchkühen oder von 100 bis ISO Dunam nicht bewässerten Bodens mit derselben iZahl von Kühen wird der Siedler ganz (gut bestehen können, wird1 aber 'keine EntwicHungsmö,glichkeiten haben. Der Anbau und die Ernte von stickstoffsiammelnden iFuttergewächsem; (Luzerne, Klee usw.) durch 5 oder 6 aufeinanderfolgende Jahre würde den Boden wesentlich verbessern, wodurch sich vielleicht doppelte Weizien- oder Gerstenernten im Vergleich zu jetzt ergeben könnten. Wir seihen wieder, daß das Problem der Hebung der (Fruchtbarkeit dies 'Bodens 'durch (die Milchkuh und ihre Produkte auf sehr ökonomiische und zufriedenstellende Weise gelöst werden ikann, id. h. das Futter, das in der Wirtschaft für ilhre Erhaltung angebaut wird, verschlechtert den Boden nicht wie das beim Anbau anderer Pflanzen der iFaU ist, sondern es bereichert ihn. Das wichtigste Ziel der jüdischen Kolonisation in Palästina muß zweifellos das folgende sein: der Siedler sollte alles, was er zum Leben braucht, reichlich haben, nicht aber sollten die Mitglieder der Familie täglich genau ein Ei und; einen .halben Liter Milch verzehren dürfen: es geht auch nicht an, dem Siedler solche wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen, daß ihm nichts anderes übrig bleibt, als von den Zinsen zu leben« •die idie Investitionen seiner Wirtschaft tragen sollten. Das Ziel sollte doch sein, daß das Einkommen des Siedlers ihn zur Unabhängigkeit führt, sodaß er direkt oder indirekt die Grundlage einer neuen und gesunden Kolonisation bildet.