Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Ansiedlung auf Grund rationeller Milchwirtschaft
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 157 (sequence 6)
- Language
- German
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157 Der palästinensische Landwirt ikann unmöglich mit seinem 'Getreide auf dem Weltmarkt konkurrieren (die Fachleute in (Palästina sind derselben Ansicht — Die Red.)- Der amerikanische und der kanadisethe Landwirt 'halben (durchschnittlich 240 Acker (1000 Dunam) Land zur Verfügung, das sie nahezu nichts kostet, Während der jüdische Sieder 100 Dunam oder noch weniger hat, und infolge dieser geringem! Landzuweisung, ider Kasten von Verbesserungen, von 'Haus, Stall, Vieh und 'Gerätschaffen, der Wert pro Dunam wesentlich erhöht ist, sodaß die Verzinsung des Wertes der Wirtschaft alllein .mehr als die Hälfte der jährlichen Getreideernten ausmacht, •selbst wenn die (Bewirtsdhaitung eine (gute ist. Natürlich 'kanm ider Siedler niemals von Getreideernten auf ein paar Acker Land sein Auskommen finden; das ist eine Arbeit und ein Ziel, die sich nicht verlohnen. Es ist nicht einzusehen, warum idaraiuf bestanden werden soll, Getreide anzupflanzen, das zirka IPfund 10.,— pro Tonne wert ist, wobei überdies von 10 Dunam «nur selten mehr tal-s eine Tonne geerntet werden kann, wenn der palästinensische Siedler Gemüse und Früchte anbauen kann, die Ernten erzielen, die 5- bis lSmial mehr wiegen, während gleichzeitig der Preis derselben bis fünfmal so hoch ist, und niemals niedriger als jener von Getreide. Freilich das Einlagern, 'Packen, Verschiffen und Verkaufen der Gemüse und Früchte, sowohl zu Hause als im Auslände, ist bisher keineswegs rationell organisiert. Bezeichnend dafür ist ein Bericht (in Nr. 1/2 1927 id. Bl. S. 23) aus dem sich ergibt, daß die Verpackungs- und Transportkosten von Jiaffa nach England 8 englische (Schilling pro Kiste Orangen ausmachen. Wenmi die Ausgäben wirklich so groß sind, dann müßte das Packen in und der Transport von Kalifornien wenigstens dreimal soviel kosten, «La* wäre 50 'Prozent mehr als der Wert der Orangen beträgt, wie dieselbe Quelle angibt. Eine Kiste Orangen wiegt schätzungsweise beiläufig 40 Kilogramm, 25 Kisten eine Tonne. Beträgt die Fracht von Jaffa nach England mehr als 70 bis 75 Schilling pro Tonne? Kostet die Kiste selbst mehr als einen Schiilling? Wo stecken aber die anderen vier Schillinge? (Wir bemerken hiezu, daß der eben erschienene (Bericht der Früchtekommission, den wir unter ,,iNachr,ichten und Daten" abdrucken, nur mehr 5/4 Schilling für Packung, Transport und1 Pflücken angibt. — Die IRed.) Ich habe hier einigemal betont, daß es für den Siedler ratsam wäre, mit Ochsen zu arbeiten,, anstatt mit einem Pferd oder einem Maulesel. Der Grund dafür ist, daß ersteres ökonomischer ist, und zwar in zwei Beziehungen: weniger Kosten bei mehr Arbeitskraft. Einige Autoren haben festgestellt, daß der Maulesel des Siedlers jährlich 3000 Kilogramm Getreide oder auch mehr verzehrt. Wenn ich dieses Quantum Getreide in Dunam umrechne, so ergibt sich, daß der 'Maulesel allein an Getreide den Ertrag von 30 Dunam Land verbraucht, abgesehen von dem erforderlichen Grasland. Ochsen begnügen sich mit gutem Heu allein, das weniger kostet als das Getreide für den Maulesel, sie leisten aber doppelt soviel Arbeit als der Maulesel und £eben zweimal soviel Dünger; bei Verkauf an den Fleischer ergibt sich ferner gar kein oder jedenfalls wenig Verlust. Wenn man alle diese Ausgabenunterschiede für eine Zeit von zehn J/alhren berechnet, so ergeben sich hunderte Pfund Sterling, Es muß auch erwiäbnt werden, daß es kein geringer Vorteil wäre, wenn der Kuhstall unter, die Erde verlegt würde, wo die Temperatur im Sommer nicht so hoch ist. Dunkelheit, das bedeutet weniger Fliegen, die die Kühe quälen. Auch 'die Versetzung des Düngers wäre infolge der stetigen Temperatur gleichmäßiger. iNach den obigen Vorschlägen hätte eine Siedking von 25 bis 50 Familien 250 bis 500 Milchkühe, die Mausende Liter Milch täglich geben. Das würde natürlich sofort eine gewisse Organisation nötig machen. Der erste Schritt, der nach meiner Meinung zu tun wäre, ist die Errichtung eines Kühlhauses mit Hilfe eines Kühlapparates. Ein Kühlapparat, der die Kapazität von 1500 Gewichtspfund hat, d. h, für einen Raum von zirka 10.000 Kubikfuß genügt, kostet in den Vereinigten Staaten zirka 200 Pfund komplett mit dem Motor. Nehmen wir 500 -Pfund komplett mit dem Baus an.