Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Ansiedlung auf Grund rationeller Milchwirtschaft
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 153 (sequence 2)
- Language
- German
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153 uns, wie wichtig es ist, die Kolonisation Palästinas auf der Milchkuh und ihren Produkten aufzubauen. Wenn wir den durchschnittlichen Milchertrag einer holländischen Kuh mit beiläufig 5000 Litern jährlich annehmen, so ist das kaum zu hoch geschätzt. Man muß sich den Unterschied vor Augen halten zwischen einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 1500 Liter Milch pro Kuh und der von 3000, 4000 oder 5000 Litern; den Unterschied zwischen einem Landwirt, der ein oder zwei Milchkühe hat und einem anderen, der acht, zehn oder mehr Milchquellen besitzt; was der Unterschied ist zwischen dem palästinensischen Siedler, der ein Bruttoeinkommen von 30 oder 50 Pfund von ein bis zwei Kühen hat und dem holländischen Milchwirt, der im selben Jahr 300 bis 500 Pfund von 10 Milchkühen bezieht; wie groß der Unterschied ist zwischen dem Einkommen von 5 oder 10 Pfund für einen Siedler, der ein oder zwei Kälber verkauft und jenem anderen, der Vieh für 100 oder 150 Pfund jährlich verkauft; wie groß der Unterschied ist zwischen einem Landwirt, der gut konservierten erstklassigen Dünger von 10 Kühen hat und jenem, der sehr schlechten Dünger bei seinem arabischen Nachbar kaufen muß; was der Unterschied ist zwischen dem Boden, der erforderlich ist, um 10 Kühe mit Körner- und Grünfutter zu versehen, wenn das Land bewässert ist und sechs bis acht Ernten in der Saison ergibt, wobei die Arbeit proportionell verteilt ist und der erforderlichen Anzahl von Dunam, wenn eine, selten zwei Ernten hervorgebracht werden, wobei gemietete Hilfsarbeit, die den größten Teil vom Einkommen des Siedlers verschlingt, unvermeidlich ist. Jedermann, der sich bemüht, alle diese Unterschiede zusammenzufassen, wird sofort erkennen, wo die Ursache dafür liegt, daß das Problem, selbst theoretisch, bisher nicht gelöst worden ist, Mancher wird vielleicht diesen Vorschlag kritisieren und sagen: Wenn jeder Siedler zehn so gute Kühe hat, die 30.000 oder 40.000 Liter Milch jährlich geben, so muß der Milchpreis stark sinken und der Siedler wird, da er nicht in der Lage ist, das oanze Quantum zu verkaufen, gezwungen, aus einem Teil Butter zu erzeugen, die kaum halb so viel einbringt als Milch. Die folgenden Tatsachen widerlegen diese Kritik: Deutschland, das sich im Weltkrieg finanziell selbst erhalten hat, führte in der Vorkriegszeit Oelkuchen in einem solchen Ausmaß ein, daß die Regierung zu den Frachttarifen für dieses wichtige Futtermittel einen Beitrag leistete. Nur infolge der reichlichen Futterration, die die Oelkuchen der Kuh verschafften, konnte sie nicht nur eine genügende Quantität Milch, sondern auch den guten Dünger liefern, wodurch Deutschlands Durchschnittsweizenernten über den Durchschnitt der meisten Länder, wenn nicht der ganzen Welt, stiegen — 32 Bushel pro Acker oder 178 kg pro Dunam. Freilich wird auch künstlicher Dünger in Deutschland verwendet, aber nur zur Ergänzung des Viehdüngers. Deutsche Landwirte verkauften ihre Milch zu 14 Pfennig pro Liter (2/3 Piaster) und im Kleinhandel wurde sie zu 22 Pfennig (1 Piaster) verkauft. Kein deutscher Landwirt hält es für möglich, ökonomisch zu wirtschaften, ohne sein Vieh mit reichen Proteinrationen zu füttern und ohne guten und genügenden Dünger. Und es igibt wirklich keinen Grund, warum der jüdische Siedler in (Palästina nicht Imstande sein sollte, seine Milch zu einem Piaster pro Liter zu verkaufen und ebenso zufrieden zu sein wie der Milclhwirt m Europa oder in Amerika, wo ©odenpreis unld Arbeitslofnn wesentlich höher sind .als in Pallästina. (Dies trifft nur!fiür Amerika generell zu. — Die Red.) Da die Vorsehung an iPaiästina die unerschöpflichen „GolidiJiinen \ den Kunstdünger im Toten Meer, geschaJffen 'hat, können wir in dieser Tatsache ein Zeichen dafür erblicken, daß Palästina in der Zukunft mehr Einwohner wird1 ernähren können als in der Vergangenheit. Aber Viehdünger wird immer die Grundlage guter und ertragreicher Landwirtschaft und 'Pflanzungswirtsclhaft bleiben. Da ich nachzuweisani suche, daß es ratsam ist, die Siedler mit einer genügenden Anzahl! von Milchkühen zu versorgen, soll nun gezeigt werden, wie diese Kühe aflige-