Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Probleme der Forschung über Obst- und Gartenbau in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
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118 haben, aber noch keine Märkte besitzen; d) Zweige, die sowohl in technischer als auch in ökonomischer Beziehung sich im Stadium des Versuches befinden. Zur ersten Kategorie gehören: Orangen auf leichten und ebenen Böden als intensive Kultur, Getreidebau auf schwerem Boden als extensive Kultur, Die zweite Kategorie umfaßt: Mandeln auf leichtem, hügeligen, unbewässerbarem Boden; ihre Erträge lassen zu wünschen übrig, da sie gegenüber Konkurrenzländern zu gering sind. Die dritte Kategorie bilden Weintrauben, die technisch zwar schon auf hoher Stufe stehen, sich jedoch noch keine genügenden Märkte erschlossen haben, so daß die Ausdehnung ihrer Anbaufläche auf neuen Kolonisationsgebieten nicht in Frage kommt. Die vierte Kategorie endlich, die weder technisch noch ökonomisch als gesichert anzusehen ist, schließt Tafeltrauben, Bananen, Feigen, Tafeloliven und eine Reihe anderer, im Lande noch gar nicht kultivierter Früchte ein. Z u 2. Die heute für Baumkultur in Palästina in Frage kommende Bodenfläche: beschränkt sich für Orangen auf einen schmalen Küstenstreifen, der von Gaza bis Cäsarea reicht, und für Mandeln auf den sandigen und hügeligen Küstenboden, Die schweren und mittelschweren Böden, die den Hauptteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche Palästinas ausmachen, sind, was ihre Verwertbarkeit für Pflanzungen anbetrifft, terra incognita, Mit diesen Böden weiß man heute noch nichts anzufangen; es werden zwar En-gros-Versuche mit Kolonisten gemacht, aber durch ihre Systemlosigkeit sind diese En-gros-Versuche von vornherein zum Scheitern verurteilt und führen zum Ruin des Betriebes und der Kolonisation. Nun ist aber sogar der Orangenbau wohl für heute gesichert, aber nicht für die nächste Zukunft, Die Orange ist zwar Monopolprodukt des Landes, aber ihr Anbau wird in vielen Ländern, in Südafrika, Australien. Spanien und Italien, immer mehr ausgedehnt und verbessert, so daß in kürzester Zeit diese Länder für uns schwerste Rivalen auf dem Orangenweltmarkt darstellen werden. Sie begnügen sich nämlich nicht, wie wir. mit der Fortführung alter Traditionen, sondern schaffen wissenschaftliche Institute, die für Standardisierung, Verschönerung und Qualitätsverbesserung der Früchte Sorge tragen (so wie dies in Kalifornien schon seit langem der Fall ist). Es kann geschehen, daß nach 10 oder 15 Jahren die Qualität unserer Früchte als zweit- oder drittklassig neben der erstklassigen anderer Länder erscheinen wird. Für kalifornische Orangen werden heute auf dem englischen Markt 28 bis 32 Schilling bezahlt, während palästinensische Orangen 13 bis 18 Schilling erzielen. Darum ist es ein Gebot der Stunde, sofort die Arbeit aufzunehmen, damit wir in der ersten Reihe bleiben; denn im landwirtschaftlichen Forschungswesen im allgemeinen, und ganz besonders in der Baumkultur erntet man Früchte erst frühestens zehn Jahre nach der Aussaat. Was Mandeln, Bananen und andere Früchte anbelangt, so steckt unsere Wissenschaft über sie noch in den Kinderschuhen. Jede Intensivierung der Landwirtschaft, sei es auf unbewässerbarem leichtem, sei es auf bewässerbarem schweren Boden, ist absolut ausgeschlossen, wenn nicht systematisch Versuche angestellt werden, auf deren Resultaten sich diese neuen Zweige der Landwirtschaft aufbauen können. Das dringendste Erfordernis für die Weiterentwicklung des Orangenbaus ist die Anlage von guten Baumschulen, in denen sowohl Unter-