Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Das Problem der Teuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 112 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379870-2385872--06569-2386205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
112 Eine Teuerung von wirklich erschreckendem Ausmaße gab es in Palästina also nur in den Jahren unmittelbar nach dem Kriege, Wenn die heute bestehende Teuerung somit nicht das Maß erreicht, das ihr zugeschrieben wird, so ist darin doch kein Grund gelegen, sie leicht zu nehmen. Sie muß in einem Kolonisationsland tatsächlich als schwere Belastung der Bevölkerung und vor allem der finanziellen Kolonisationsinstitutionen und der privaten Einwanderer wirken, die ihre Mittel möglichst rationell produktiven Zwecken zuzuführen suchen. Um dieser Teuerung wirkungsvoll zu begegnen, wird man zunächst die Preisentwicklung seit Kriegsende erklären müssen, d. h. wissen müssen, welche Ursachen dazu geführt haben, gerade in Palästina eine so starke Hebung des Preisniveaus gegenüber der Vorkriegszeit herbeizuführen. Nun ist die Feststellung von Preisbestimmungsgründen schon im allgemeinen keine leichte Aufgabe. In Palästina wird sie um so schwerer sein, als sich im Laufe weniger Jahre eine Fülle von Ereignissen militärischer, politischer und wirtschaftlicher Natur zugetragen haben, die alle auf die- Konsumtions- und Marktverhältnisse des Landes nachhaltigen Einfluß ausgeübt haben. Bei unserem Erklärungsversuch wollen wir zeitlich vorgehen und beginnen daher mit der Betrachtung der Wirkungen der Ereignisse gegen Kriegsende in Palästina. Wie schon oben erwähnt, trat im Verlaufe der letzten Kriegsjahre eine starke inflatorische Währungsverschlechterung, verbunden namentlich mit erheblichen Steigerungen der Brot- und Mehlpreise auf. Die starke Nachfrage des Militärs und die Spekulation wirkten in gleicher Richtung; alle Kennzeichen einer echten Inflation machten sich bemerkbar: starke Vermehrung ungedeckten Papiergeldes, Verschwinden der Goldmünzen aus dem Verkehr*), Hinaufklettern der Preise, Während aber nun anderwärts eine solche Inflation durch die Ein- . führung einer Währung mit Einheiten niedrigen Goldwertes abgelöst und dadurch andere deflationistische Maßnahmen die Anormalitäten der Inflationsperiode ausgeglichen wurden, erreichten in Palästina drei Ereignisse eine entgegengesetzte Wirkung. Diese drei Ereignisse sind: 1. Die Einführung der ägyptischen Währung**); 2. der große Kapitalzufluß bis zur Gegenwart; 3. die starke Bevölkerungsvermehrung und die dadurch bewirkte Strukturänderung der Markt- und Konsumtionsverhältnisse im Lande. 1. Die Einführung der ägyptischen Währung hat einmal als starke Währung die Tendenz zu einem hohen Stand der Preise begünstigt, andererseits durch ihre Ausstattung mit Scheidemünzen sehr hohen Nominalwertes diese Wirkung noch verstärkt. Die kleinste in Zirkulation befindliche Münze, ein halber Piaster, hatte bereits den hohen Goldwert von 10 Goldpfennigen, der aber, weil es die kleinste Münze war, in dieser Höhe nicht fühlbar wurde. Jede, auch die kleinste Preisänderung im Detailhandel konnte sich nur in halben Piastern ausdrücken, wodurch der Wert dieser Einheit für den Käufer und Verkäufer bagatellisiert wurde. Das übte natürlich auch eine Rückwirkung auf die Bewertung der größeren Währungseinheiten und vor allem auf die Bewertung des *) Siehe dazu den Palestine Report of the Executive of the Zionist Organisation to the XII. Zionist Congress, London 1921, S. 15. **) Die Einführung der ägyptischen Währung hat auf manchen Gebieten interessante Parallelen zu ägyptischen Verhältnissen geschaffen. Ein Vergleich im einzelnen, insbesondere auch der beiderseitigen Preisentwicklung, soll einer besonderen Untersuchung vorbehalten bleiben.