Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Das Problem der Teuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 105 (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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105 Standards, d. h. des Lebensaufwandes der Bevölkerung in qualitativem und quantitativem Sinne. Palästina als Teil Syriens und des ganzen Orients war aber (und ist es zum Teil noch heute) ein Land mit einer außerordentlich bedürfnislosen Bevölkerung, die fast ohne oder nur mit geringen Mitteln ihren Lebensunterhalt bestritt und durch das Fehlen einer Neubildung von Kapital in nennenswertem Umfang nicht in der Lage war, größeren Aufwand zu treiben. Nicht allein die niedrigen Preise, sondern auch die Genügsamkeit der Bevölkerung machten Palästina zu einem Lande niedrigen Lebensstandards, der seinerseits wiederum auf die Preisbildung zurückwirken mußte. Mit dem Ausbruch des Krieges beginnt in Palästina zunächst eine langsame, dann aber stürmische Preisentwicklung nach oben. Sie erfolgte in den verschiedenen Teilen des Landes nicht gleichmäßig, und es hat darum wenig Sinn, aus den sporadisch vorhandenen Aufzeichnungen ein Bild dieser mit der einsetzenden Inflation gleichen Schritt haltenden Preisbewegung zu konstruieren. Wir werden auf die Vorgänge im einzelnen noch zu sprechen kommen. Der Höhepunkt des Währungsverfalls wurde im November 1917 erreicht, wo für ein türkisches Pfund, das 1914 mit 22.75 Goldfrancs bewertet wurde, 3.90 Goldfrancs gezahlt wurden. Durch das Oeffnen der Grenzen des warenhungrigen Landes und die Stillung des dringlichsten Bedarfes senkten sich die Preise zwar zunächst, schnellten aber nach der Einführung der ägyptischen Währung und dem mit der englischen Besetzung beginnenden Kapitalseinfluß wieder gewaltig in die Höhe und erreichten in der ersten Hälfte des Jahres 1920 eine heute kaum vorstellbare Höhe. Die Preise für Lebensmittel im Großverkehr und im Kleinhandel wurden seit Einführung der englischen Zivilverwaltung regelmäßig aufgezeichnet. Leider sind die Aufzeichnungen für die Jahre 1920 und 1921 nicht zuverlässig, so daß wir davon absehen müssen, sie in nachstehenden Tabellen zu gebrauchen. Auch die Regierung selbst, die diese Zahlen in den Heften des Commercial Bulletins fortlaufend veröffentlicht hat, hat darauf verzichtet, die Preise aus diesen Jahren in ihre Aufstellung eines Indexes für die Kosten der Lebenshaltung in Palästina aufzunehmen und als Ausgangsjahr, resp. Basis für diesen Index erst das Jahr 1922 genommen. Ein gewisser informatorischer Wert wird den Preisziffern für die genannten Jahre jedoch nicht abzusprechen sein. Die nachfolgende Tabelle zeigt uns nun die Preisentwicklung für Artikel im Großhandel, wobei in der ersten Spalte die Preise im Juli 1914 genannt sind, während in den folgenden Spalten Durchschnittspreise (aus den Städten Jerusalem, Jaffa, Haifa und Gaza) für die Julimonate der Jahre 1922 bis 1927 genannt werden. (Tabelle s. nächste Seite.) Zu der Tabelle ist zunächst zu bemerken: Um eine Gegenüberstellung mit den Julipreisen von 1914 zu ermöglichen, wurden auch aus den Jahren 1922 bis 1927 nur die Julipreise in die Tabelle aufgenommen. Diese Auswahl hat überdies noch den Vorteil, daß sie uns die Preise relativ unbeeinflußt von den in Palästina häufigen Fluktuationen, d. h. vor allem von den Preissteigerungen des Winters zeigt. Die Julipreise stellen in Palästina im allgemeinen die niedrigsten Preise dar. (Das Diagramm auf Seite 108 spiegelt dieses Verhältnis bei den Lebenskosten gut wider; es zeigt zwischen der Jahresdurchschnittskurve und den Juliziffern eine gleichbleibende Distanz, d. h, die Julipreise sind regelmäßig wesentlich niedriger als die Jahresdurchschnittspreise.)