Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Politik. VOn Dr. Hans Kohn, Jerusalem.
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 3)
- Language
- German
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80 beitragen, die Intentionen der Regierung, die nicht immer bei Erlassung ihrer Verordnungen klar sind, dem Publikum verständlicher zu machen. Zugleich würden solche Beiräte, in denen Juden wie Araber vertreten wären, auch zu einem Austausch der gegenseitigen Ansichten und zu einer Kooperation auf verschiedenen Interessengebieten führen. So könnte die Zusammenarbeit jener drei Elemente, der Regierung und der zwei das Land bewohnenden Nationen angebahnt werden, die. heute vollständig fehlt und von deren Verwirklichung jeder Fortschritt im Lande abhängt. Wirtschaft. Von Dr. Kurt Grunwald (Tel Awiw). Wenn auch der letzte Monat keine großen Sensationen brachte, so ist doch eine Entwicklung zur 'Gesundung zu verspüren. Vor allem ist die immerhin als Imponderabile nicht unwesentliche Stimmung ruhiger und zuversichtlicher geworden, wenn auch das Arbeitslosenproblem noch immer seiner Lösung bedarf und die Vorgänge in Petach Tikwah auf das Gefährliche der Situation hinweisen. Wie das von der Regierung herausgegebene »Commercial Bulletin« meldet, hat die »Nesher« Zementfabrik ein Motorboot angekauft, das 300 Tonnen Laderaum hat und für den Transport nach Syrien und Cypern bestimmt ist. Infoige des Zollschutzes ist allerdings der Preis des heimischen Zementes um 200 Mili (4 Mk.) per Tonne gestiegen. Auch die »Shemen« Oelfabrik in Haifa hat, durch den neuen Tarif begünstigt, eine größere Nachfrage zu verzeichnen und hat ihren Arbeiterstand vergrößert. Die Mazzothfabrik hat Anfang November mit der Arbeit begonnen und beschäftigt 70 Arbeiter. (Nähere Daten über die jüdische Industrie siehe unter »Nachrichten und Daten«.) Die nichtjüdische Zigarettenfabrikation ist im Wachsen begriffen. Eine solche Fabrik, Karaman Dick a. Salty in Haifa, hat eine eigene Abteilung für Zigarettenfabrikation für Transjordanien eröffnet. Ihr Kapital ist auf 150.000 äg. Pfd. gestiegen. Die Fabrik gehört dem Konzern Maspero Freres Ltd. an, der bereits den größten paL Konzern, Matossian, aufgekauft hat. Zeitungsmeldungen zufolge wird in der Hauptstadt Transjordanien, in Amman, eine große Zigarettenfabrik gebaut und man plane schon eine weitere. Im Gegensatz zu dieser günstigen Entwicklung der Zigarettenindustrie im allgemeinen steht die Lage der jüdischen Produktion. Während im Ausland die Zigarettenindustrie zum großen Teil in jüdischen Händen ist, steht hier eine einzige, Lubliner, etwa 15 großen, nichtjüdischen gegenüber. Mitverursacht ist diese» Verhältnis durch die Kapitalsschwäche der jüdischen Industrie im allgemeinen. Weiters werden die jüdischen Zigaretten für qualitativ nicht den anderen ebenbürtig bezeichnet, woran der Ümstand Schuld trägt, daß der von der jüdischen Fabrik verarbeitete einheimische Tabak den ausländischen Sorten noch nicht ebenbürtig ist. Man sollte einmal an Aegypten denken, das bis vor zwei Jahren keinen eigenen Tabak baute und dennoch in der Zigarettenindustrie der Welt in der vordersten Reihe steht und müßte sich fragen, ob und wieweit ein Mitverarbeiten ausländischen Tabaks auch im Interesse der jüdischen Industrie gelegen ist. (Wie uns von anderer Seite mitgeteilt wird, sind die Löhne in den nichtjüdischen Fabriken viel niedriger als in den jüdischen, was erstere konkurrenzfähiger macht. Anm. d. Red.) Die bei der Zigarettenindustrie beobachtete fortschreitende Eingliederung in die internationalen Konzerne zeigte sich auch auf einem anderen Gebiet, der Zündholzfabrikation. Die bekannte Fabrik »Nur« in Akko ist angeblich von dem bekannten weltumfassenden schwedischen Konzern aufgekauft worden und die Errichtung einer weiteren Fabrik bei Mikweh Israel ist geplant. Die palästinensischen Fabriken sollen, den nahen und einen Teil des fernen Ostens beliefern. Einer uns zugekommenen Nachricht zufolge, die allerdings nur reserviert aufgenommen werden darf, trägt sich eine englische Gruppe, hinter der die Gemeinde der Reformjuden in England stehen soll, mit dem Plan der Errichtung einer großen Zuckerfabrik. Die Regierung soll für diesen Zweck 100.000 Dunam auf der Sinaihalbinsel zur Verfügung gestellt haben, auf denen sowohl Rüben als auch Rohr gepflanzt werden soll. Die Fabrik selbst wird südlich von Gaza errichtet werden und soll ebenfalls einen großen Teil ihrer Produktion für den Export nach den Nachbarländern in Aussicht genommen haben. Für die landwirtschaftlichen Arbeiten werden allein 200 Arbeiter benötigt werden. Ein akutes Problem ist das der Hausindustrie. Aber während die einen es als einen wichtigen Teil der palästinensischen Wirtschaft der Zukunft ansehen, glauben die anderen, daß sie kaum je über den bescheidenen Rahmen einer lokalen Andenkenindustrie hinauswachsen wird. Darum ist es begrüßenswert, daß eine Reihe an dieser Frage interessierte Personen und Vertreter von Körperschaften eine Kommission zum