Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 14)
- Language
- German
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57 sollte, aus dieser Krise endlich herauszukommen, für später alle Lehren zu ziehen, die sich aus ihr ziehen lassen: daß Hand in Hand mit Arbeiten, die nicht geeignet sind, die Arbeiter dauernd zu beschäftigen (Bau-, Drainage-, öffentliche Arbeiten usw,), die Ueberleitung eines beträchtlichen Teiles der Arbeiter zur Dauerarbeit gehen muß. Zu diesem Zweck ist es nicht nötig, die Zahl dieser Arbeiter nun möglichst knapp zu halten [durch Beschränkung der Einwanderung), sondern es ist zweifellos, daß gerade Haussezeiten der Aufbautätigkeit die Möglichkeit geben, durch Kombination ersparter Arbeitslöhne, Anleihen aus nationalen Mitteln und Hypothekarkredit die Arbeiter zur Ansiedlung oder Halbansiedlung zu überführen. Geschieht dies nicht, so werden wir nach einiger Zeit in eine dritte Krise hineingeraten, die nach unserer Meinung ohne übergroße Schwierigkeit sich vermeiden läßt, selbst wenn wiederum eine Stockung der Kapitalzufuhr erfolgen sollte, was, wie die Dinge nun einmal liegen, stets möglich sein kann, solange der Aufbau mit Hilfe durch von außen hereingebrachter Mittel erfolgen muß. Und schließlich ist es nötig, immer wieder zu betonen, daß, wie in allen anderen Fragen auch, so auch in dieser, bei aller Steigerung der Tätigkeit der Regierung, das letzte Wort nicht diese, sondern die zionistische Bewegung zu sprechen hat; wir ersehnen nicht nur eine Lösung der Arbeitslosenkrise, sondern die Erneuerung der Alijah; und die ist nicht möglich ohne endgültige Basierung der nun einmal vorhandenen Arbeitslosen. Ohne erweiterte Tätigkeit der Zionistischen Organisation wird diese Aenderung nicht erfolgen, und sicher dann nicht, wenn nicht Hand in Hand mit der vielleicht bevorstehenden augenblicklichen Erleichterung in der Arbeitslosenfrage der Beginn einer neuen, zielbewußten Aufbautätigkeit geht, die aber aus den unzweifelhaften Fehlern der Vergangenheit ihre Folgerungen gezogen hat. Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien. Von Dr. Zwi Luft, Tel Awiw. Anläßlich der Vorgänge in Petach Tikwah (siehe unter »Nachrichten und Daten«) ist dieses Thema besonders aktuell. Dr. Luft gehörte der Leitung der Arbeiterorganisation an und hat sich mit diesen Fragen speziell befaßt. Die Red. I. Eine der Losungen, die die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina in ihrer besonderen charakteristischen Eigentümlichkeit so sehr kennzeichnen ist die Losung von der »Eroberung der Arbeit« (Kibbusch ha' avodah). Wer die Arbeiterbewegung Palästinas mit den Maßstäben und den in den Arbeiterbewegungen anderer Länder üblichen Begriffen messen und begreifen lernen wollte, würde es kaum verstehen, daß eine Forderung, wie diese, die sonst eigentlich den natürlichen Ausgangspunkt und die Voraussetzung einer Arbeiterbewegung überhaupt bildet, in Palästina zu der beinahe einzigen treibenden Kraft wurde, aus der heraus das Verständnis all des geistigen und ideologischen und konkreten Bestandes der jüdischen Arbeiterbewegung erst möglich wird. Nur wenn man im vorhinein das Bestehen besonderer Bedingungen, die die jüdische