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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 44

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
Date
1928-01-01
Page
Seite 44 (sequence 1)
Language
German
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44 Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage. Von Dr.-Walter Preuß, Tel Awiw. Seit 2x/2 Jahren bildet eines der ernstesten Probleme der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina die Arbeitslosenfrage und ihre Lösung. In der Tatsache, daß es während eines so langen Zeitraumes einer so großen Bewegung wie der zionistischen, mit einem Jahreseinkommen von über 1 Million Pfund, wenn man die Eingänge der großen Fonds addiert, nicht gelang, mit einer vielleicht relativ zur jüdischen Bevölkerung im Lande großen, absolut aber, rein zahlenmäßig gesehen, nicht übermäßigen Arbeitslosigkeit fertig zu werden, ist ohne Zweifel ein ernsthaftes Symptom des Zustandes der Bewegung zu erblicken. Die Höchstzahl der Arbeitslosen betrug 8000; sie sank zeitweilig auf 5000—6000; aber die absolute Höhe der Ziffer bedeutet nicht, daß man zur Bewältigung dieses Arbeitslosigkeitsproblems nun eine ebensolche Zahl von Arbeitstagen tagtäglich hätte aufbringen müssen. Die Erfahrung mit dem zu 90% durchgeführten Arbeitsplan vom Juli 1927, der die Aufhebung der Arbeitslosenunterstützung in Haifa, Jerusalem und Afuleh zur Folge hatte, zeigte, daß zur Beschäftigung aller Arbeitslosen mit Sicherung eines Minimaleinkommens 3500—4000 Arbeitstage tagtäglich genügt hatten (denn jeder Plan hat noch die Beschäftigung zahlreicher Arbeiter in Nebenarbeiten zur Folge). Das Problem der allmählichen Ueberführung der Arbeitslosen in Dauerarbeit an Stelle der Arbeitslosenunterstützung (die einen guten. Teil der zur Veranstaltung von Arbeiten nötigen Summen verschlangen; für Arbeitslosenunterstützung wurden im Laufe des Jahres 5687 allein annähernd 70.000 Pfund ausgegeben) konnte einer vollen Lösung bisher nicht zugeführt werden; allein die Tatsache, daß im Jahre 1928 augenscheinlich (wie noch auszuführen sein wird) radikalere Lösungen der Frage Platz greifen werden, sei es in der einen oder der anderen Richtung (Aufhebung der Unterstützung seitens der »Zionistischen Organisation« und eventuelles Eingreifen der Regierung, das in Eröffnung von billigen Küchen, Registrierung der Arbeitslosen und eventueller späterer Ausweisung, wenn keine Arbeitsgelegenheit zu finden ist, bestehen kann — oder aber Veranstaltung, von Arbeiten unter Mitwirkung aller beteiligten Instanzen), diese Tatsache läßt den Augenblick geeignet erscheinen, zu fragen: 1. Wie kam es überhaupt zu dieser bedrückenden Situation, genannt »Arbeitslosigkeit relativ großer Massen von Arbeitern« und welche Faktoren ökonomischer, sozialer oder psychologischer Art verhinderten bis heute eine Lösung dieser Frage? 2. Wodurch gewann die Arbeitslosenfrage eine solche Bedeutung für den gesamten Zionismus und worin besteht ihre Tragweite? 3. Welche Möglichkeiten einer Lösung der Frage bestehen in diesem Augenblick und welches sind die Probleme, die dabei eine Rolle spielen? Mit dieser letzteren Frage ist speziell die des Arbeitslohnes verbunden, mit der wir uns daher etwas ausführlicher beschäftigen müssen.

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