Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 27)
- Language
- German
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28 nicht so sehr von der- Zahl der jüdischen Siedler, sondern, von ihrem geistigen Niveau, von der Zugkraft ihrer Ideale abhängt, spielen in dieser Ansiedlung geistige Faktoren, z. B. die hebräische Sprache, die ethische Höhe der Siedler, ihr Verständnis für jüdisches Wesen, eine entscheidende Rolle — Faktoren, welche für die Ansiedlung in Rußland ohne jede Bedeutung sind/ Wir haben deshalb in der landwirtschaftlichen Kolonisation in Rußland und in Palästina zwei Systeme vor uns, die zwar in technischer und wirtschaftlicher Beziehung ähnlich, aber in sozialer, kultureller und nationaler Beziehung grundverschieden sind. Wer sie beide von demselben Gesichtspunkte aus beurteilt, muß notwendig einer von beiden Unrecht tun. Nur wenn man die russische Kolonisation als eine Wohlfahrtsaktion für einige zehntausend Familien in Rußland, die palästinensische als einen Schritt zur Bildung eines geistigen nationalen jüdischen Zentrums für die ganze Judenheit ansieht, wird man beiden gerecht werden können. Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina. Von Agr. Hermann Hirsch, dzt. Berlin. Im nachstehenden drucken wir einige Abschnitte aus der von uns in Nr. 12/1927 angezeigten Broschüre des Verfassers: »Gedanken zur z i o n i s t i s c h e n K o 1 o n i s a t i o n auf unbewässerten Böden« ab, die sich auf die umstrittensten Probleme, jene der Siedliin.gsformen, beziehen. Hier .über hat der Verfasser .eine eigene Aulfassiung, die in b'ezug auf «die Kwuzoth sich der von Professor iOppenheimer nälhert, betreffs der Moschwei Owdim (Einzelbauernsiedlungen mit genossenschaftlichem Zusammenschluß) aber von der allgemeinen Meinung stark abweicht, daher weitgehendes Interesse verdient. Die Red. I, Die Kwuzah* Die abgelaufenen fünf Jahre seit der Gründung der meisten Siedlungen waren eine Zeit des Versuchens und des Herumtastens. Ein Exportmarkt bestand nicht, der Inlandsmarkt erlaubte nur den Anbau extensiver Kulturen, während die ganze Betriebsorganisation auf intensive Wirtschaftsform berechnet war. Es ist ganz klar, und bisher noch bei keiner Kolonisation anders gewesen, daß Fehler gemacht werden mußten. Jeder Neuanfangende, auch auf dem Gebiete der Industrie, hat Lehrgeld zu zahlen und auch unsere Wirtschaften sind nicht davon verschont geblieben^ Sehr bedauerlicherweise scheinen das aber die meisten Zionisten nicht einzusehen. Anders kann man nämlich diesen erbitterten Kampf gar nicht verstehen, der von den politischen Parteien um die verschiedenen Siedlungsformen geführt wird, bevor diese noch unter normalen Verhältnissen Gelegenheit gehabt haben, ihre Existenzberechtigung zu beweisen. Natürlich sind, wie man nachträglich sieht, Fehler gemacht worden. Aber es verstößt doch gegen den gesunden Menschenverstand, aus diesen Fehlern Angriffsargumente zu machen, und auf der Gegenseite diese Fehler hartnäckig zu decken und verteidigen. Auch Fehler können einen Wert haben, wenn man aus ihnen lernt. Hier soll nun versucht werden, einige der umstrittensten Probleme ganz objektiv zu prüfen (der Autor gehört keiner politischen Partei an) und auf Grund der gemachten Fehler Verbesserungen vorzuschlagen.