Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Frage des syrischen Handelsvertrages
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 507 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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587 Barzahlung, .oder gegen erstklassige Wechsel erfolgt, die sofort zu Geld zu mächen sind. Sie vermindert daher den Kapitalsbedarf der Industrie und ermöglicht es den Fabrikanten im Inlande, wo der ganze Absatz von der Kreditgewährung abhängt, längere Zahlungsfristen zu bewilligen. Dies ist eine der Ursachen, warum die scheinbar so weise und nüchterne Begründung der geplanten Reform mit dem Hinweis auf den Schutz des Inlandsmarktes als Entgelt für die Opferung des Auslandsabsatzes nicht stichhältig ist. Die Industrie könnte vermutlich nur schwer ihren bisherigen Inlandsabsatz aufrechterhalten, weil sie ihn zum Teil durch den Export finanziert, und aus Kapitalmangel sicher nicht daran denken, ihn mit den ihr bisher zur Verfügung stehenden Mitteln zu vergrößern. Aber der entscheidende Irrtum dieses Argumentes ist, daß durch den Schutz des Inlandsmarktes gegen Syrien so gut wie keine neuen Absatzmöglichkeiten geschaffen werden. Denn praktisch richtet sich die Zollgrenze im wesentlichen gegen die 120.000 Pfund Manchesterwaren, die in Palästina sowieso nicht fabriziert werden, weil wir noch keine Fabrik dafür haben. Bleibt nur der Nutzen übrig, den die Schokoladenfabrikation aus der Erschwerung der Süßwareneinfuhr im Werte von 30.000 Pfund ziehen könnte, auf den sie aber gern verzichten würde, wenn man ihr die Exportmöglichkeiten nach Syrien offen ließe. Der wirkliche Effekt des neuen Vertragsentwurfes würde sein, daß Syrien und einer sich dort entwickelnden, an sich schon mehr begünstigten Industrie auch der palästinensische Markt freigegeben würde, weil sie zum größten Teil mit syrischen Materialien (Baumwolle, Seide usw.) arbeiten könnte, also keine Zölle zu zahlen hätte, dagegen der palästinensischen Industrie der reiche syrische Markt genommen und sie auf den ärmeren palästinensischen Markt beschränkt würde. Der unmittelbare und gerade in dieser Krise besonders spürbare Effekt würde sein, daß nicht nur geplante Betriebsvergrößerungen verhindert, sondern eine Reihe von Fabriken zur Einschränkung ihrer Arbeit und zu Entlassungen gezwungen würden. Die allernächste Folge der Unterzeichnung des Vertrages wäre also eine Vergrößerung der Arbeitslosigkeit. Denn bei den jetzigen hohen Zöllen in Syrien — Strümpfe zahlen z, B. 25 Prozent vom Werte — wäre der Export dorthin dann nicht mehr aufrechtzuerhalten. Schon aus diesem Grunde ist der neue Vertragsentwurf gerade jetzt auf das höchste bedenklich und geradezu ein Schlag gegen die jüdische. Kolonisation. Selbst wenn er, wie zu hoffen ist, nicht zu einem wirklichen Vertrage werden sollte, hätte eigentlich schon aus diesem Grunde überhaupt seine Vorlegung unmöglich sein sollen.