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Palästina · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. Seite 490

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 10-11
Article
Das Tote Meer und seine Bedeutung
Date
1927-01-01
Page
Seite 490 (sequence 1)
Language
German
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490 Das Tote Meer und seine Bedeutung. Von Rudolf Seiden, Mödling. In nicht ganz zwei Stunden bringt uns das Auto von Jerusalem zum Nordufer des Toten Meeres. In zahllosen Windungen senkt sich die Straße um ungefähr 1200 Meter und verläuft schließlich im Wüstensand; jetzt wird eine blaue, weite Wasserfläche sichtbar: das Tote Meer. Es führt mit Recht seinen Namen: hier ist alles tot, kein Lebewesen im Wasser, nur hier und dort ein paar Beduinen. In wenigen Jahren wird es hier wohl anders aussehen: fleißige Arbeiterhände werden in dieser öden Gegend Leben wecken, die moderne Technik wird die Schätze des Toten Meeres ausbeuten. Schier unerschöpfliche Mengen wertvoller Salze sind in diesen Wassern gelöst; der deutschen Kaliindustrie, welche heute den Weltmarkt beherrscht — sie deckt 90 Prozetit des Weltbedarfes — ersteht in naher Zukunft ein großer K o nk u r r e n t. Vor Jahrtausenden war Norddeutschland von einem Binnenmeer überdeckt, das im Verlaufe unermeßlicher Zeiträume eingetrocknet ist. Der Restsee befand sich bei Staßfurt: sein Salzgehalt stieg immer mehr an, das heißt: die Sole wurde stets konzentrierter und begann, entsprechend der verschiedenen Löslichkeit ihrer Salze, diese abzuscheiden. So finden wir heute, wenn wir einen vertikalen Schnitt durch das Staßfurter Lager machen, von oben nach unten der Reihe nach folgende Mineralschichten: Karnallit, Kieserit, Polyhalit, Anhydrit — lauter wertvolle Naturprodukte. Im Laufe der Zeit — das Lager bildete sich, während mehr als zehntausenden Jahren — sind wohl Verschiebungen in den Salzregionen eingetreten; auch finden wir außer den genannten Mineralen zahlreiche anders zusammengesetzte, vielerlei Gemenge und in allen Schichten sehr viel Kochsalz. Im Toten Meere kommen so ziemlich die gleichen Elemente und Verbindungen vor, wie im Staßfurter Lager; ich darf darum mit einiger Gewißheit sagen, daß auch hier einmal die gleiche Reihenfolge in der Ablagerung der einzelnen Salze anzutreffen sein wird. Das Tote Meer macht eben heute jenes Stadium durch, in welchem sich das Staßfurter Lager vor vielen Jahrtausenden befand. Zunächst seien kurz einige Daten über das Tote Meer gegeben. Wassermenge: über 140 Kubikkilometer, Spiegelfläche: 930 Quadratkilometer, Länge 76 Kilometer, Tiefe: im Norden bis zu 400 Meter, im Süden allmählich ins Ufergelände verlaufend (nur einige Meter tief). Der Spiegel-des Mittelländischen Meeres liegt 400 Meter über dem des Toten Meeres (tiefste Seeoberfläche der Erde). Luftdruck im Durchschnitt 800 Millimeter,

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