Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 485 (sequence 23)
- Language
- German
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485 ferner in der Tatsache, daß das zur Verfügung gestellte Land jungfräulich, das heißt neu zu erschließen war. Die Geschichte der ländlichen Änsiedlamg in Australien zeigt, so schreibt der Verfasser weiter, daß Pioniere auf jungfräulichem Land selten in der ersten Generation bereits reüssierten. Bisher mußten die Siedler in Australien meist allein, ohne Unterstützung den Kampf gegen die Natur ausfechten. Man sollte daher glauben, daß Gruppensiedler, die überdies für die erste nichtproduktive Periode ihrer Wirtschaft Subventionen erhalten, weni-ger individuelle Fehlschläge aufzuweisen haben. - Per Einheit standen den Gruppensiedliingen etwa 160 Acres (1 Acre zirka 4 Dunam) zur Verfügung. Der Siedlungsplan umfaßt eine Gesamtfläche von zirka 365.800 Acres, auf welchen sich 9931 Stück Vieh und 2096 Pferde befinden. Der Siedlungsplan beruhte auf einer Konzeption von Sir James - Mitchell, als dessen größter 'Fehler vom Verfasser die „unprofitable haste" (unrentable Hast) bezeichnet wird, mit der der Plan durchgeführt werden sollte. Es wäre zwar töricht, heute schon von einem Erfolg oder Mißerfolg dieses Siedlungsplanes zu sprechen, aber eines ist sicher: was schließlich das Schicksal des westaustralischen Siedlungswerkes sein wird, es wird ,auf keinen Fall so billig und so leicht durchgeführt werden können, als man anfangs geglaubt hatte. Seitdem die erste Gruppe angesiedelt wurde, sind bereits mehr als sechs Jahre vergangen^ doch war bisher noch keine einzige Gruppe in der Lage gewesen, sich von der 'Stützung durch die Gro u p S e 111 e m e n t s - A d m i n i s t r a t i o n unabhängig z u m a c h e n. Die Kosten, die bisher für die Durchführung des Siedlungsplanes aufgewendet wurden, betragen insgesamt Pfund Sterling 4,400.000 (einschließlich Straßenbau, Drainage etc.), so daß in manchen Fällen Pfund Sterling 2000 per Siedler überschritten wurden. In diesen Fällen ist eine starke Abschreibung unvermeidlich, da die Rückzahlung von Vorschüssen in dieser Höhe wahrscheinlich unmöglich ist. Wie bereits erwähnt, wird im einzelnen die zu große Eile in der Durchführung der Kolonisation für das ganze oder teilweise Mißlingen vieler Wdrtschaften verantwortlich gemacht. 'Nach den. bisherigen Erfahrungen genügt die von Sir James Mitchell vorgesehene Periode der Erschließung und Produktivierung der Wirtschaften keineswegs, sondern man erachtet heute dafür eine Zeit von zehn Jahren als notwendig. Bei der Verwirklichung des Siedlungsplanes wurde mit weit geringeren Perioden gerechnet und auch in der Auswahl der Böden und in der Wahl der Kolonisationsmethoden hat nach den gemachten Erfahrungen eine verhängnisvolle Uebereilu n.g vorgeherrscht. Dazu tritt noch, wie gleichfalls schon oben erwähnt, eine falsche Einstellung im Hinblick auf die Auswahl der Siedler, die sich vielfach als Lohnarbeiter in Regierungsdiensten betrachtet haben. Die vorgeschlagenen Reformen sehen demgemäß in erster Linie eine schärfere Auswahl der Ansiedlungskandidaten. der Kolonisations- und Finanzierungsmethoden vor.