Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 464 (sequence 2)
- Language
- German
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464 die Einladung der Exekutive, über Fragen des Aufbaues zu sprecheil, angenommen. Ich bin in der Eigenschaft eines Privatmannes in der Gestaltung meines Themas freier als früher, wo ich als Funktionär zu vielen Taigesfragen und Einzelheiten Stellung nehmen mußte. Ich habe auch dadurch, daß ich seit zwei Jahren von den laufenden Geschäften der Exekutive befreit bin. mehr Zeit gehabt, unsere Probleme wieder und wieder durchzudenken, und. habe, wie ich glaube, zu den Dingen die Distanz gewonnen, die zu ihrer objektiven Beurteilung notwendig ist. Ich will mit dem beginnen, was unsere Öffentlichkeit vor und auf dem Kongreß am meisten erregt hat, nämlich mit unserem Verhältnis zur Arbeiterschaft. Ich sehe in dem jetzigen Kampfe gegen die Arbeiterschaft nicht eine zufällige Erscheinung. Ich sehe darin den Beginn der Auseinandersetzung zwischen Chaluziuth und Baale-Batijuth, zwischen den Prinzipien des Pioniertums und denen der Wirtschaftlichkeit, die wir in allen Bewegungen finden, weiche von einer außer wirtschaftlichen (religiösen, nationalen oder sozialen) Idee geboren, sich allmählich an die wirtschaftliche Wirklichkeit anpassen. Diese Anpassung ist notwendig. Aber ich glaube, diejenigen sind auf dem falschen Wege, die diese Anpassung von heute äuf morgen durch ein Gebot von außen her oder durch das Höherhängen des Brotkorbes bewirken wollen., Chaluziuth ist für tins noch immer unentbehrlich. Sie ist mehr als nationale oder religiöse Begeisterung. Diese können einen Juden wohl nach Palästina führen, aber sie können ihn hier nicht Jahre hindurch Tag für Tag von früh bis spät bei Arbeiten festhalten, die ihn über das normale Maß der Kräfte hinaus anstrengen und gefährden. Mit dem Geist der Baale-Batijuth wird er es nach dem nationalökonomischen Gesetze, daß jeder auf der Linie des geringsten Widerstandes vorwärts zu kommen trachtet, so einrichten, daß seine Arbeit möglichst leicht und einträglich sei. Beide Schichten, sowohl die Chaluzim wie die Baalebattim, mit ihrer bestimmten Mentalität haben in unserer Kolonisation ihren Platz, aber man muß jede von ihnen an der richtigen Stelle einsetzen. Den von Sümpfen bedeckten, von Beduinen und feindlichen Nachbarn gefährdeten Emek konnten wir nicht durch gesetzte Familienväter des Mitteistandes, sondern nur durch eine vor Gefahren an Leben und Gesundheit nicht zurückschreckende, begeisterte Jugend erobern. Erst nachdem durch sie der Emek, in dem vor zehn Jahren kein Jude 'ungefährdet auf einer Straße gehen konnte und wo die Malaria schrecklich wütete, zu einem der gesündesten und sichersten Teile Palästinas geworden ist, kann man auch von Ansiedlung anderer Elemente dort sprechen. Die Biluim und alle jene, die unsere ersten landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina begründet haben, waren sicherlich von höchster nationaler Begeisterung erfüllt, und ich schätze ihre