Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die Frauenarbeit in Palästina
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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419 sich s e 1 b st zu er ha 11 e n. Gründliche Kennerinnen der Frauenfrage in Erez Israel wie Ada Fischmann, Hedwig Gellner, u. a. haben es ausgesprochen, wie schwer die Arbeiterinnen Palästinas, die von Anfang an mit größtem, ja bisweilen heroischem Einsätze ihrer Kräfte nach Gleichwertigkeit (nicht allein Gleichberechtigung) gestrebt haben, es heute empfinden, ihrer Gruppe, bezw. dem Lande immer noch so-zu-sagen „Luxusartikel" zu sein, den man sich nur in beschränktem Ausmaße „leisten" könne. Die physische Schwäche der Frau und ihre mühsamere Anpassung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die arbeitende Yemenitin oder Araberin ist von ihr noch schwerer an geringem Standard zu erreichen, als derartige Konkurrenz vom Chaluz geschlagen wird. Andererseits aber darf gesagt werden, daß vielleicht in keinem anderen Lande der Erde so sehr für die arbeitende M-utter und ihr Kind gesorgt wird, wie gerade in Palästina: gemeinsames Säuglingsbezw. Kinderhaus m den landwirtschaftlichen Siedlungen, Tageskrippen, Säuglingsstationen und Beratungsstellen für schwangere Frauen und Mütter in den Städten und den alten Kolonien sind nahezu eine Selbstverständlichkeit, wenn auch nicht gesagt werden soll, daß diese Institutionen, die von den drei großen, im Lande arbeitenden Frauenorganisationen (Hadassah, Wizo und Histadruth Naschim Ibrioth — H. N. I.) und von der Arbeiterschaft selbst mit Hilfe des Keren Hajessod errichtet wurden, wirklich für die Bedürfnisse des Landes ganz ausreichend seien. Aber insbesondere die Arbeiterin in Kwuzah und Moschaw ist tatsächlich nach der Geburt des Kindes bei weitem arbeits-, d. h. konkurrenzfähiger gegenüber den männlichen Kollegen, als dies sonst bei arbeitenden Frauen in solcher Zeit der Fall zu sein pflegt. Und dabei sind diese Arbeiterkinder weit besser betreut, als dies sonst üblich ist, etwabei großstädtischem Proletariat. Die Säuglingssterblichkeit Palästinas ist bekanntlich äußerst gering (selbst in Tiberias, wo sie die höchste Ziffer erreicht, sank sie in den letzten Jahren von 29 auf 8 Prozent; an anderen Orten ist sie weit geringer, selten höher als 1 Prozent). Natürlich aber verursacht gerade dies Kosten für die Siedlung, bezw. den Jischuw. Und so können sich eben nicht alle Gruppen eine entsprechende Zahl von Frauen „leisten". Selbst das Mädchen vermag noch lange nicht immer durch Eigenarbeit ihre Kosten zu. decken. Es ist bereits erwähnt worden, daß sich nebst der heimischen, palästinensischen Frauenorganisationen (H. N. I.) zwei große ausländische Organisationen eingefunden haben — Hadassah (Org. der amerik. zion. Frauen) und Wizo (Women's International Zionist Organization) — um den schwer ringenden arbeitenden Frauen, Mädchen und Müttern sowie deren Kindern zu helfen. Während die Hadassah nebst ihrer ausgezeichneten Arbeit für Mutter und Kind (1927 wurde bereits die 15. Station für Säuglings-