Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Mittelstandskolonisation
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 11)
- Language
- German
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408 Die Aussichten des Orangenbaues. Immer wieder begegnet man bei dem heutigen Pessimismus dem Einwurf: Besteht nicht die /Gefahr einer Ueberproduktion? Werden die Preise bei größerem Anbau nicht so weit sinken, daß die Orangenpflanzungen nicht gut oder überhaupt nicht rentieren werden? Miezu ist folgendes zu sagen: Der Orangenkonsum steigt von Jahr zu Jahr. Seit 1894 hat sich zum Beispiel die Bevölkerung in den Vereinigten Staaten verdoppelt, hingegen die Orangenproduktion versechzehnfacht. Der Konsum in England stieg von 13,5 lbs. per Kopf im Jahre 1913 auf 18.1 lbs. im Jahre 1924. Diese relative 'Konsumzunahme ist nicht etwa nur bei Orangen festzustellen, sondern erstreckt sich allgemein auf den Früchtekonsum. In den Jahren 1900 bis 1904 betrug in England der Früchtekonsum 5.9 sh. per Kopf, im Jahre 1924 Pfd. 1 per Kopf der Bevölkerung. In diesem Jahre gab England für Früchte Pfd.' 48,300.000 aus, davon nach Grasowsky und Waitz Pfd. 21,113.368 für Sorten, die auch in Palästina kultiviert werden können. Der augenblickliche palästinensische Anteil an der Orangenversorgung Englands beträgt 10 Prozent, der Spaniens über 80 Prozent. England nimmt durchschnittlich 60 bis 70 Prozent der palästinensischen Orangenproduktion ab. Große Märkte, wie Deutschland (Import 1925 5.8 Millionen Kisten), Frankreich, Belgien, Holland, Skandinavien, Zentraleuropa sind fast unberührt; alte Märkte wie Türkei, Rußland augenblicklich verschlossen. Angenommen, es würden nun jährlich 5000 Dunam neu angepflanzt werde», dann würden wir nach acht Jahren unter Berücksichtigung der in den letzten drei Jahren angelegten Pflanzungen zirka 3,5 Millionen Kisten produzieren. Vom neunten Jahre ab würde die Produktion «um 500.000 Kisten jährlich steigen, so daß wir nach 16 Jahren auf ungefähr eine Produktion von zirka 7 Millionen Kisten kommen würden. Die jährliche Steigerung der Produktion um 500.000 Kisten wird den weiteren Anbau automatisch regulieren. Wird der jährliche Zuwachs vom Markt glatt aufgenommen, so wird man weiter pflanzen, gestaltet sich dagegen der Absatz schwierig, so wird von selbst eine Unterbrechung im Orangenbau eintreten. Wir würden also, wenn wir sogar annehmen, daß zunächst noch zwei bis drei Jahre lang in dem gleichen Tempo weiter gepflanzt wird, schließlich auf einen Anfall von 8 Millionen Kisten kommen, das heißt auf den dritten Teil der heutigen spanischen und auf den fünften Teil der •amerikanischen Produktion. Da Palästina das einzige Mittelmeerland ist, das Neupflanzungen in größerem Umfange anlegt, so werden wir wahrscheinlich mit unserer Mehrproduktion den inzwischen teils relativ, teils durch die Bevölkerungszunahme gestiegenen Bedarf gerade decken. Doch gesetzt den Fall, der Konsum steigt nicht in dem Maße,