Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Mittelstandskolonisation
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 8)
- Language
- German
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405 gewesen sind, keine besondere landwirtschaftliche Vorbildung besitzen und die Orangenplantagen ertragsreif übernehmen sollen. Durch die Praxis ist vielfältig bewiesen — und jeder kann sich in Palästina davon überzeugen—, daß zur Fortführung eines Pardeß wedereine Vorbildung -noch besondere Kör-perkräfte erf orderlliich sind; nur ein wenig Gewissenhaftigkeit und Exaktheit gehört dazu. In den ersten Jahren nach der Uebersiedlung muß für Anleitung und Unterweisung gesorgt sein. In wenigen Jahren wird man die Pflanzungen selbständig betreiben können und reüssieren. Je besser man den Betrieb beherrscht, je tiefer man in die Probleme eindringt, um so interessanter wird allmählich die Tätigkeit werden, die im Anfang vielleicht monoton erscheint. Jeder Ansiedler muß neben seinen Pflanzungen noch freien Boden haben, um in den Stand gesetzt zu sein, allmählich noch andere Kulturen zu betreiben, sich durch Futterbau, eventueM Getreidebau eine Viehhaltung zu ermöglichen, die ihm neben dem Ertrag aus derselben auch den notwendigen in Palästina schwer zu beschaffenden Stallmist liefern soll. 1. Typus. Der kleinste Ansiedlertyp ist der lOOO-Pfd.-Typ. Dafür erhält er brutto 25 Dunam Boden, davon 10 Dunam ertragreifen Pardeß, einen Bauplatz von etwa 2 Dunam und als Rest freien Boden. Die Pfd. 1000 sind in den sechs oben genannten Raten aufzubringen. Uebernahme nach sechs, am besten nach sieben Jahren. Haus und Stall erfordern Pfd. 300. lebendes Inventar und Betriebskapital Pfd. 150. Pfd. 400 so'Men als Hypothek auf das Grundstück aufgenommen werden, die restlichen Pfd. 50 sind der Gewinn aus dem siebenten Jähr. Sollte der Gewinn aus irgend welchen Gründen wegfallen, so würden notfalls auch insgesamt Pfd. 400 ausreichen. Die Hypothek zu einem Zinssatz von 6 oder 6,5 Prozent soll erst vom zehnten Jahre ab verzinst und amortisiert werden. Einnahme dm zehnten Jahre Pfd. 20 bis 30 iper Dunam Pardeß, ungerechnet die Erträge aus der Bearbeitung des freien Bodens, die zunächst nur etwa Pfd. 20 bis 30 betragen dürften und zur Verzinsung und Amortisation der Hypothek Verwendung finden können. In jedem Falle werden dem Siedler Pfd. 180 bis 220 netto verbleiben, womit er unter Berücksichtigung, daß er einen Teil seiner Lebensmittel aus seiner eigenen Wirtschaft deckt, ein einfaches, gutes Auskommen finden kann. Es wäre aber bei unserer vorsichtigen Kalkulation nichts Ungewöhnliches, wenn er in manchem Jahr weit größere Ueberschüsse erzielen würde; diese wird er zur Neuanlage von Pflanzungen oder zum Ausbau seines Gehöftes verwenden; sollte er in der Lage sein, von vornherein Pfd. 1500 oder 2000 zu investieren, so wird die Lebensführung entsprechend reichhaltiger und sorgloser sein können.