Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Boden- und Finanzpolitik
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
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352 form als wirtschaftlich minderwertig zu betrachten; die Erfahrung der europäischen Länder belehrt uns. daß mit dem Mißtrauen der Erbpacht gegenüber anderswo bereits längst aufgeräumt worden ist. Die Zionistische Organisation muß in Erkenntnis der Wichtigkeit der Prinizipien der nationalen Bodenpolitik für unser Aufbauwerk alles tun, um das wirtschaftliche Gelingen des Erbpachtsystems des Keren Kajemeth durch entsprechende Maßnahmen aller ihrer Organe, in erster Linie aber durch eine entsprechende Politik ihrer Finanzinstitute zu sichern. Zur Frage der Agrarreform. Von Dr. A. Tartakower, Lodz. Die Frage -der Agrarreform in Palästina gehört unzweifelhaft zu den schwierigsten im Wirtschaftsleben des Landes. Sie ist unendlich mehr (kompliziert als die Frage der städtischen Bodenreform und auch viel mehr als die Fragen der Agrarreform in den allermeisten Ländern der Welt. Nicht als ob in dieser Beziehung die palästinensiche Stadt oder die Dorfwirtschaft der anderen Länder viel besser gestellt wären. Die Frage der städtischen Bodenreform ist gerade in den letzten Jahren in ihrer ganzen Tragik hervorgetreten. Schaudernd haben wir die zügellose Ausbreitung der Bodenspekulation in Tel-Awiw erlebt, der die zur Führung oder Beeinflussung des Wirtschaftslebens berufenen Instanzen mehr oder minder hilflos gegenübergestanden sind. An den Folgen dieser traurigen und beschämenden, weil durch Juden verursachten Erscheinung wird das Land, auch nachdem die gegenwärtige Krise überwunden sein wird, noch jahrelang zu "leiden haben. Und auch die Agrarverhältnisse in den allermeisten anderen Ländern (auch in denjenigen, wo die Agrarreform in den letzten Jahren durchgeführt worden ist) können für uns kein Muster sein. Auch dort gibt es der Wunden und des Brennstoffs genug, der noch durch die unglückselige Verquickung von Wartsdiaftsfragen mit politischen oder anderen Interessen in starker Weise vermehrt wird. Und doch ist die Frage der Agrarreform in Palästina viel komplizierter. So wird man da mit den wenigstens theoretisch ziemlich einfachen Lösungen der Frage nicht viel anfangen können. Nirgends ist Vorsicht, gepaart mit dem entschlossenen Willen, eine Gesundung der Verhältnisse anzubahnen, mehr am Platze als hier. Die eigenartige Kompliziertheit der Agrarfrage in Palästina ergibt sich einerseits aus der Tatsache, daß wir es hier sowohl mit ungesunden Bodenbesitzwie auch gleich ungesunden Bodenbewirt- . schaftungsverhälnissen zu tun haben, andererseits das Land heute ein ausgesprochenes Immigrationsalnd ist, das immer neue Massen von Menschen aufnimmt und einem bedeutenden Teil derselben ein Fortkommen in der Landwirtschaft ermöglichen soll. Als weitere erschwerende Umstände treten dann noch die Eigenart der politischen Verhältnisse im Lande, Eigenart der Bevölkerung