Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Geistiges Leben. Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 2)
- Language
- German
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324 um die Erhaltung des Volkes, das Formal-Jüdische — Land, Sprache, Sitte etc. — wird sich von selbst verstehen, dafür aber wird in Palästina alles daran gesetzt werden, das Judentum in seinem tiefen, menschlichen Sinne darzuleben, im Leben zu verwirklichen. „Aller echte Nationalismus ist Bewährung der menschlichen Aufgabe." (Robert Weltsch.) Es war vorauszusehen, daß diese beiden so grundverschiedenen Quellen des Zionismus, die national-chauvinistische und die religiös-sittliche, in Palästina in ihrer ganzen Gegensätzlichkeit zum Ausdruck kommen werdein, und zwar zum Ausdruck kommen werden innerhalb des neuen zionistischen Jischuw. Zwei Ereignisse der letzten Wochen, obzwar in sich selbst ohne besondere Bedeutung, beleuchten grell die jetzige Situation. Gelegentlich seines Besuches in Jerusalem 'wurde Buber von der Universität eingeladen, einen Vortrag zu halten, undsprach über die Formen der göttlichen Offenbarung in der Bibel und ihre Bedeutung für die allgemeine Religionsgeschichte. Der Vortrag war ein großes geistiges Ereignis, das klare und unumwundene Bekenntnis Bubers zum Glauben an die Offenbarung. Man hätte erwarten müssen, daß der Vortrag eine leidenschaftliche religiöse Diskussion entfesseln würde. Statt dessen stieß man sich nur an — der deutschen Sprache Bubers. iDer Gedud Megineh Hasaphah „Legion der Schützer der Sprache'4 protestierte gegen die Veranstaltung eines Vortrages in der Universität in nicht hebräischer Sprache. (Wohlgemerkt: -Buber war Gast.) Es half nichts, daß Buber erklärte, er erkenne an, daß das Hebräische die einzige legitime Sprache der Universität sei und daß er selbst zu den Getreuen der Sprache gehöre, sich jedoch nicht entschließen könne, einen Wort für Wort vorher ausgearbeiteten und übersetzten Vortrag vom Blatt abzulesen. Es half auch nichts, daß der Vortrag ins iHebräische übersetzt wurde. Niemand unter den jungen Leuten der „Legion" beachtete, daß Bu'bers Vortrag so sehr jüdisch war,, daß vermutlich in der gesprochenen hebräischen Sprache der letzten Generation überhaupt noch nie so intensiv jüdisch gedacht worden ist — das einzig Beachtete war die Form, die leere, allen Inhalts beraubte Hülle. Wenige Tage nachher kam ein zweiter Zwischenfall. Die jiddischen Schriftsteller Asch und Hirschbein besuchten Palästina und wurden in Tel-Awiw von der Vereinigung der hebräischen Schriftsteller festlich und brüderlich begrüßt. Bialik wies darauf hin, welch große Bedeutung das Jiddische für die Wiederbelebung des Hebräischen gehabt habe. Er erklärte, daß Mendele das gesprochene Hebräisch geschaffen habe, indem er dem Jiddischen -dessen Plastizität und Lebensfrische entnahm. Bialik fürchtet die Dualität der Sprache nicht. Asch erwiderte in gleichem Sinn als jiddischer Schriftsteller. Der Kampf zwischen Hebräisch und Jiddisch sei sinnlos in dem Augenblicke, wo unsere ganze Existenz vom Untergange bedroht sei. Es hätte scheinen müssen, daß diese freie Aussprache, die einen sinnlosen Zank zu beenden imstande war, der seif1 Jahren das jüdische Leben in den wichtigsten Diasporaländern vergiftet, in Palästina mit Freude aufgenommen werden würde. Statt dessen entfesselte die Stellungnahme Bialiks eine leidenschaftliche Protestbewegung, in welcher sich einer der einflußreichsten Lehrer dazu hinreißen ließ, zu sagen, die Verteidiger des Hebräischen müßten „bis zum Zerbrechen von Fensterscheiben" radikal sein. Diese Worte wurden von einem Lehrer vor der Jugend gesprochen. Man kann nicht sagen, daß diese Scharfmacher die Mehrheit hinter sich hätten. Vernünftige Publizisten haben protestiert. Die Protestversamnv lung, welche vom Gedud Megineh Hasaphah in Tel-Awiw einberufen wurde, nahm unter dem Eindruck einer Rede von Berl Katznelsohn eine