Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Dem Aufstieg entgegen
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Wirtschaft. Dem Aufstieg entgegen. Von Dr. Kurt Grunwald, Tel-Awiw. Wir haben in Nr. 1-2 an dieser Stelle versucht, in der Terminologie der .Krisenforschung die 'heutige Situation zu umreißen, und legten damals dar, daß wir trotz anhaltender Auswanderung und Arbeitslosigkeit bereits das Stadium des Niederganges hinter uns hätten und von einem Anstieg sprechen könnten. Immer deutlicher werden die Umrisse dieser Situation, immer schärfer heben sich die Konturen des Wirtschaftsbildes von heute von dem gestrigen ab. Deutlich zeigt sich dies vor allem bei der Betrachtung der I n d u s 11 i e. 'Hier ist, wie aus den Informationen des Industriellenverbandes hervorgeht, in weitem Umfang der Konsolidierungsprozeß als erfolgreich abgeschlossen anzusehen. Die Textilindustrie hat sich weiterhin günstig entwickelt. So arbeiten die drei Sockenfabriken Lodzia, Edelstein und (Friedmann sowie die jüngst eröffnete Fabrik Braun in Doppelschichten. Ueber die Strickereifabrik iKarasso wurde hier bereits berichtet. Als charakteristisch mag auch der Fall der Strickerei „Hassoreg" gelten. Vor einem Jahre müßte diesem Unternehmen ein Moratorium gewährt werden. Mit Hilfe eines Darlehens von äg. Pfd. 500 konnte es seine Arbeit fortsetzen. Heute sind alle Schulden mit Ausnahme des Darlehens bezahlt. Die Fabrik baut in der Nähe Tel-Awiws auf eigenem Grund ihr eigenes Gebäude. Stark drückend wirkt natürlich auf das Unternehmen der Kreditmangel, wodurch es sich nicht so entfalten kann, wie es die objektiven Bedingungen gestatten würden. In der Saison sind sechzig Arbeiter beschäftigt, welche Zahl bei günstigen Kreditmöglichkeiten weitaus größer sein könnte. In der letzten Zeit haben die Trikotagenfabrikanten, insgesamt sechs, ein Syndikat für [Einkauf des Rohmaterials gebildet, dem ein Verkaufs^ und Exportsyndikat folgen dürfte. Vorläufig in kleinem Umfang, mit nur 25 Arbeitern, hat die Seidenfabrik Deitmer ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Für ihre gesamte Produktion hat sie einen Generalabnehmer gefunden. Eine Versuchsstation für mechanische Weberei nimmt in der nächsten Zeit mit Unterstützung des Departements für städtische Kolonisation ihre Tätigkeit auf. Mit vollem Betrieb arbeitet auch die Lederfabrik Lefkowitz, deren wöchentliche Produktion sich auf äg. Pfd. 800 bis 1000 beläuft. Die Ware geht zum großen Teil nach Israel und Syrien (gegen Kassa!). Auch eine Fabrik für Chromleder arbeitet befriedigend, ebenso wie die Schuhindustrie. Die Fabrik „Kether", vor kurzem saniert, hat in den letzten vier Wochen 10.000 Paare erzeugt, von denen ein großer Teil nach Syrien verkauft wurde. Neben dem genannten Unternehmen arbeiten noch eine Reihe kleinerer Fabriken. Auf dem Gebiete der Leinenschuhe kommt als einziger Konkurrent nur noch die große tschechische Fabrik Bata in Frage, während sich die heimische Produktion hier immer mehr behauptet. In ähnlicher Weise wie die Bekleidungsindustrie entwickelt sich auch die Metallindustrie weiter günstig. So die Fabrik „Paamon", die landwirtschaftliche Geräte, Häckselmaschinen, Orangeriebewässerungsanlagen etc. erzeugt und nun ebenfalls ihr eigenes Gebäude auf eigenem Grund errichtet. Die Fabrik „Avaz" steht vor einer Vergrößerung und Umgestaltung. Ihr Arbeiterstand hat sich von 15 auf 50 erhöht. Sie hat eine Bestellung auf 25.000 Zinkeimer .nach Syrien und Aegypten erhalten, da ihre Produktion qualitativ besser als die belgische und deutsche befunden wurde. Von der Regierung wurde ihr Zollbefreiung in Aussicht gestellt.