Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Englische Kolonisationsmethoden in England und Übersee
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 8)
- Language
- German
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297 für einen Ansiedler zur Leitung einer eigenen Wirtschaft notwendig sind. Hier liegt noch eine empfindliche Lüoke .in dem Training unserer Ansiedler. Die Kwuzoth, die bisher faktisch die einzige Stelle für die Aneignung landwirtschaftlicher Kenntnisse waren und ein Surrogat für die Ausbildung in landwirtschaftlichen Schulen oder in Lehrfarmen darstellten, können immer nur eine beschränkte Zahl von Anfängern aufnehmen, wenn sie dadurch ihre Rentabilität nicht noch mehr gefährden wollen, als es ohnehin schon geschieht. Wir sehen den einzigen Ausweg zur Ausfüllung der Lücke darin, daß wir mit den Siedlern in unseren Moschwe-Owdim zu einer Vereinbarung gelangen, daß sie Lehrlinge aufnehmen. Auf diese Weise könnten wir ohne große Schwierigkeiten nach zwei bis drei Jahren jährlich einige hundert landwirtschaftlich ausgebildete junge Leute haben. Die Kosten für die Ansiedlung schwanken in England und in den Dominien von Pfd. Sterl. 1000 bis 1500. In Palästina wurden sie bisher auf Pfd. Sterl. 1100, nämlich auf Pfd. Sterl. 400 durch den Keren Kajemeth für den Boden und auf Pfd. Sterl. 700 seitens des Keren Hajessod für Gebäude und Inventar veranschlagt. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß infolge des Rückganges der Baukosten und der Preise für Inventar und Saatgut die gesamten Aufwendungen des Keren Hajessod für Gebäude und Inventar bei einer Ansiedlung größeren Maßstabes jetzt bis auf Pfd. Sterl. 500 reduziert werden können, so daß die gesamten Ansiedlungskosten sich auf Pfd. Sterl. 900 oder, wenn wir noch zur Deckung von Verlusten in den ersten Jahren Pfd. Sterl. 100 hinzurechnen, auf Pfd. Sterl. 1000 stellen würden. Wir bleiben also mit diesem Betrage an der unteren Grenze'des in England und Uebersee erforderlichen Betrages. Die Rückzahlung der Ansiedlungskosten erfolgt in England und Uebersee in 25 bis 36 Jahresraten; in den Verhandlungen des Keren Hajessod mit unseren Siedlern ist dafür ein Zeitraum von 50 Jahren vorgesehen. Es ist in der Tat fraglich, ob dieser Zeitraum nicht zu lang ist, und ob wir nicht ebenfalls einen Zeitraum von höchstens 36 Jahren dafür festsetzen sollen. Alles in allem zeigt der Vergleich, daß die Schwierigkeiten der Ansiedlung in England und Uebersee in keiner Weise geringer sind als in Palästina und daß fast alle Probleme, die uns beschäftigen, auch dort vorhanden sind. Wenn wir uns hiebei vor Augen halten, daß unsere Aufgabe so viel schwieriger ist, weil unsere Ansiedler gar keine landwirtschaftliche Tradition haben und weil bei uns nicht, wie in England oder den Dominien, die Regierung ihre ganze Kraft für das Gelingen der Ansiedlung einsetzt, so können wir, scheint es mir, daraus den Schluß ziehen, daß unsere Ansiedler in keiner Weise hinter dem zurückgeblieben sind, was wir bei vernünftiger Abschätzung aller Schwierigkeiten von ihnen verlangen können. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, daß der weitaus größte Teil unserer Ansiedlungen erst seit dem Jahre 1921 gegründet ist, und daß in keinem Lande 6 Jahre genügt haben, um eine Kolonisation vollständig zu konsolidieren.