Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Englische Kolonisationsmethoden in England und Übersee
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 1)
- Language
- German
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290 Englische Kolonisationsmethoden in England und Uebersee. Von Dr. A. Ruppin, Jerusalem. I. England. Die englische Regierung hat schon vor dem Weltkriege in England eine Siedlungspolitik begonnen. Durch die Small (Holdings und Allotment Actt vom Jahre 1908 wurde den einzelnen Bezirken (Counties) die Möglichkeit gegeben, mit Mitteln, welche ihnen von der Regierung darlehensweise zur Verfügung gestellt wurden, landwirtschaftlichen Boden zu erwerben und darauf Small Holders anzusiedeln. Bis Ende des Jahres 1918 hatten die Counties auf Grund dieses Gesetzes 200.000 Acres (zirka 80.000 Hektar oder 900.000 Dunam, erworben und darauf 13.874 Small Holders angesiedelt. Die durchschnittliche Bodenfläche eines jeden Small Holders war also etwa 15 Acres (zirka 66 Dunam). Der Weltkrieg, welcher eine große Zahl von Soldaten erwerbslos zurückließ, für die der Staat neue Existenzmöglichkeiten zu schaffen hatte, gab der Siedlungsbewegung einen großen Aufschwung. Durch die Land .Settlement (Facilities) Act 1919 wurde den Counties aus einem zu diesem Zwecke vom Staate geschaffenen speziellen Siedlungsfonds ein Betrag bis zu 20 Millionen Pfund darlehensweise zur Verfügung .gestellt, um Boden zu erwerben und ehemalige Soldaten (ex-soldiers) als Small Holders anzusiedeln. Ueber die auf Grund dieses Gesetzes erfolgte Ansiedlungstätigkeit gibt der Bericht des Ministry of Agriculture and Fisheries on „Land Settlement in England and Wales 1919 to 1924" Auskunft. Die Aufforderung der Regierung im Jahre 1919 an diejenigen Ex-soldiers, welche Small Holders werden wollten, sich zu melden, ergab eine Zahl von 49.000 Kandidaten, von denen allerdings nach der ersten Prüfung etwa 22.000 abgewiesen wurden oder freiwillig zurücktraten, so daß noch 27.000 übrig blieben. Von diesen wurden 1910 bis Ende 1924 zirka 16.000 angesiedelt. Zu diesem Zwecke wurden 247.000 Acres (zirka 100.000 Hektar oder 1,000.000 Dunam) erwonben, so daß auf jeden Siedler durchschnittlich 15,5 Acres oder zirka 68 Dunam entfielen. Der gesamte für die Ansiedlung ausgegebene Betrag belief sich bis zum 31. 'März 1925 auf 15 Millionen Pfund, das heißt auf zirka 940 Pfund per Siedler. Was die Kosten der Ansiedlung betrifft, so zerfallen diese in drei Hauptpositionen: 1. Boden, 2. Gebäude, 3. Inventar. Die für die Ansiedlung erworbenen 247.000 Acres kosteten im Durchschnitt 42,5 Pfund per Acre, das heißt etwa 10 Pfund per Dunam. Bei einer Durohschnittsfläche von 68 Dunam für jeden Siedler kostete der Boden also '680 Pfund. Kurz nach dem Kriege, als die Baustoffe sehr teuer waren, kosteten die Gebäude 640 Pfund. Später sanken die Baukosten bis auf Pfd. Sterl. 440. Es war jedoch nicht nötig, für jeden Siedler neue Gebäude zu errichten, vielmehr konnten die Gebäude, die sich auf dem gekauften Boden befanden, in vielen Fällen für die neuen Siedler instand gesetzt werden. Insgesamt