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Palästina · 1927-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 287

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 6-7
Article
Die Schafzucht in Palästina und ihre Zukunft
Date
1927-01-01
Page
Seite 287 (sequence 2)
Language
German
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287 Schafe oder Ziegenherde -durch die Straßen führt und ihre Milch frisch vom Euter verkauft. Im Basar findet er unzählige Fleischerläden, die alle hauptsächlich Schaf- oder Ziegenfleisch feilbieten. Die Umgebung der kleinsten Stadt wimmelt von Hammelherden, die bereitgehalten werden, den Markt mit Fleisch zu versorgen. Diese kommen aber nicht etwa aus Palästina selbst, sondern werden zu Tausenden aus den Nachbarländern (wie Syrien, Kurdistan und Neged) eingeführt, so groß ist der Fleischkonsum Palästinas. Auch der Bedarf an Schaf- und Ziegenwolie ist ein sehr großer, das beweisen die vielen Webwaren (zum Beispiel bunte Teppiche und Mäntel der Araber), die alle fast ausschließlich aus diesen Materialien hergestellt werden. Dringen wir weiter ins Landesinnere vor, so beweist uns der Charakter jeder arabischen landwirtschaftlichen Niederlassung, und jeder Eingeborene wird es uns bestätigen, daß der Reichtum des Fellachen wie auch des Beduinen nur in der Anzahl seiner Schafe besteht. Angeregt durch diese Tatsache, haben Wir, die wir doch Seite an Seite mit Arabern leben, uns entschlossen, diese großen Möglichkeiten selbst auszunützen und die Schafzucht zu betreiben, worüber wir nachfolgend berichten. * II. Wie bereits erwähnt, bedingt der Charakter der ausgedehnten und bergigen Weideplätze des vorderen -Orients, besonders Palästinas, die Kleintierzucht (das heißt Schaf- und Ziegenzucht). Der Beduine, bisher von europäischer Kultur vollständig ./unberührt geblieben, hält seine Schafherde heute noch nach, altüberlieferten Traditionen, er nützt den (natürlichen Ertrag derselben aus, ohne ihn. je zu veredeln oder zu steigern. Wir aber, die wir vor zehn Jahren ungefähr bei den Beduinen ihr primitives System erlernten, konnten die wenigen jüdischen Herden, die uns nachher zur Verfügung standen, lediglich durch intensive Zucht auf eine solche Höhe bringen, daß der Araber, verwundert über derartige Erfolge, uns heute schon nachzuahmen versucht und sich mit fachlichen Fragen an uns wendet. Um nicht die Geduld des Lesers zu sehr in Anspruch zu ^nehmen, wollen wir über die ganze innere Entwicklungsgeschichte der palästinensischen Kwuzath-iRoim (Schafhirtengruppe) hinweggehen und nur erwähnen, daß dieselbe im Jahre 1920 mit 100 eigenen Schafen in den „Gdud-Avodah" eingetreten ist. Der Höchststand der ijüdischen Schafzucht in Palästina war im Janre 1925 zu verzeichnen, in welchem nach fünfjähriger, fruchtbarer Zusammenarbeit der Birten mit dem Gdud, derselbe eine Herde von ungefähr 1200 Stück besessen hat. Aber noch in demselben Jahre entstanden Meinungsverschiedenheiten, auf Grund deren die Hirten-Kwuzah aus dem Gdud austrat, und ihm gezwungenerweise ihre eigenen Schafe überließ. Dieser Schritt wurde zur .Katastrophe für beide Teile. Auf der einen Seite verlor der; Gdud schon im

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