Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Untersuchung von zwölf Wirtschaften einer Kolonie
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
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263 (Städtebauer), welcher hier die Pläne entwirft, richtet sich mehr nach der topographischen Form des Bodens und daher haben unsere neuen Kolonien die Form von Ellipsoiden, haben daher eiförmige und andere krummlinige Straßen. Dadurch ist es ermöglicht worden, jedem Kolonisten einen großen Teil seines Bodens in der Nähe seines Wohnsitzes zu geben. Diese Kreis¬ oder Eiform bringt zwar noch viele andere Vorteile mit stich, z. B. in klimatischen oder strategischen Hinsichten.; aber im wirtschaftlichen Sinne ist diese Form nicht von Vorteil: die Wasserleitung ist verteuert, die Straße ist doppelt so lang als bei gewöhnlichen zweiseitigen Straßen etc. Diese verdoppelten Kosten fallen jedenfalls dem Kolonisten zur Last und vergrößern sein Budget. Das Menschenmaterial wurde aus den besten alten Arbeitern ausgewählt, es sind meist Gleichgesinnte, einige schon Familienväter. Diese Leute, die schon lange Jahre in Palästina arbeiteten und oft als Avantgarde die vernachlässigten und verseuchten Böden für andere Siedler in Kultur genommen hatten, haben endlich solchen Boden auch für sich erhalten. Der Keren Kajemeth hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß alle Ameliorationsarbeiten auf Rechnung der Ansiedler durchgeführt werden sollten, daher fielen Chausseen, Wege, Planierung, Parzellierung etc. den neuen Kolonisten zur Last. Die Ansiedler haben auch fast alle gemeinnützigen Einrichtungen erhalten müssen: Wache, Schulen, Krankenhaus etc. In derselben Zeit aber wurden die neuen Kolonisten durch die englische Regierung von keinerlei Lasten und Steuern befreit, selbst nicht in den ersten paar Jahren, als der Boden noch keine Einnahmen, sondern nur Ausgaben verursacht hat. Die vorherigen arabischen Pächter wurden aus liberalen und ethischen Gründen nicht ganz von dem Boden entfernt; sie wurden für einige Jahre in der Nachbarschaft der neuen Kolonie angesiedelt belassen, brachten aber durch Ueberfälle, Diebstähle, unregelrechte Weide etc. in das Leben der neuen Kolonie viele Störungen und verursachten viele Ausgaben. Und nach all dem ist der Boden jetzt schon ziemlich ertragsfähig, fast unkrautfrei und trotz der Nachbarschaft der Araber und deren von Anopheles wtomelnden Höfen und künstlichen (Regenwasser-) Teichen hat die Malaria in der geschilderten Kolonie in großem Maße abgenommen. Um einen Begriff von den Lasten und Abgaben der betreffenden Ansiedler zu geben, erwähne ich nur, daß in dem Berichtsjahr (1926) jeder nicht weniger als Pfd. 30 (Goldmark 600) an Steuern zu zahlen hatte; darin enthalten sind: RegierungS'Steuern für Boden und Gebäude (Werko), der Zehnte (Oscher) für Getreide, Gemüse und Futtergräser, ferner Kindergärten, Schulen, Krankenkasse und Aerzte; außerdem haben die Ansiedler noch andere große gemeinsame Ausgaben gehabt: Dreschmaschine, Wasserleitung, Zugochsen, Wege etc.; diese und viele andere bare Ausgaben und Abgab-en haben zusammen die ungeheure Summe von fast Pfd. 90 bis 100 (Goldmark 1800 bis 2000) ausgemacht. Darin ist schon auch der künstliche Dünger, welcher an jede Wirtschaft im Ausmaß von