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Palästina · 1927-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 6-7
Article
Untersuchung von zwölf Wirtschaften einer Kolonie
Date
1927-01-01
Page
Seite 262 (sequence 2)
Language
German
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262 Kreisen Verstimmungen entstanden. Es wurden verteidigende Gegenartikel veröffentlicht; leider aber muß ich sagen, ■ daß weder die Kritiker noch die Verteidiger ganz objektiv gewesen sind; denn es scheint mir, daß der Kampf nicht um die Form der W i r t s c h a f t, sondern um die des sozialen Lebens, vielleicht auch ein wenig um die Form der Verwaltung oder der Leitung ging. Wenn jemand ein prinzipieller Gegner des Großbetriebes oder des gemeinschaftlichen Betriebes ist, dann wird er natürlich in diesen Formen nur die Mängel, ein zweiter wieder nur die Vorteile seihen; ebenso wird es auch in anderen, mehr abstrakten Fragen geschehen. Ich will .nicht Richter oder Kritiker sein, ich will nur schildern. Ich werde in meinen folgenden Zeilen echte, fast photographisc'he Bilder der Wirtschaften geben; aus meinem Notizhefte werde ich alle Antworten der Ansiedler im Original zitieren und ich bitte d i e Leser, die landwirtschaftlich geschult sind, auf Grund der gegebenen genauen Zahlen zu beurteilen, ob diese Wirtschaften gemäß den Forderungen der landwirtschaftlichen Betriebslehre in Ordnung sind oder nicht. Ich werde in meiner Darstellung Wirtschaften mit Gewinn, und Wirtschaften mit Verlust schildern, ohne diese als solche zu bezeichnen, und möchte meine Leser bitten, auf Grund der Schilderung herauszubringen, welches die Wirtschaften sind, die mit Gewinn und welches die; die mit Verlust arbeiten. Es ist zu bemerken, daß mir ein Dutzend Kolonisten auf die Frage 'Gewinn oder Verlust genau geantwortet hat, während in derselben Kolonie sich viele über diese Frage aus manchen Ursachen nicht klar sind, einige, weil sie keine genauen Bücher geführt haben, andere, weil sie noch keine Zeit zur Kalkulation hatten u. a. m. Nach diesem Vorworte will ich die Kolonie in kurzen Worten schildern. Ich gebe keine Namen an, da es für den Leser gleichgültig ist, ob die Kolonisten an Tel-Awiw, Adaschim oder an Kfar-Jecheskiel wohnen, ob sie Gileadi-Abrami oder Ben-David heißen; die Namen haben keinen Einfluß auf den Reinertrag, der Wirtschaft. Kurz: Nomina odiosa sunt. Die Kolonie. Sie wurde 1922 gegründet und vor kurzem haben die Gründer das fünfjährige Jubiläum der Kolonie gefeiert. Sie befindet sich im Emek (Ezdralon-Tal) in der Nähe der Chaussee Haifa-Nazareth und ist mit dieser Chaussee mittels einer kleinen gepflasterten Straße verbunden. Der Boden äst mittelschwer, gehörte einem im Auslande sitzenden Effendi (Gutsbesitzer), wurde von den arabischen Pächtern unglaublich erschöpft; jahraus, jahrein wurde er mit Weizen oder Gerste als Winterfrüchte, mit Sesam oder Durra als Som,merfrüchte bestellt, niemals im Laufe von Jahrhunderten gedüngt, niemals tief gepflügt, .niemals wurden wilde Stauden und Sträucher ausgerodet; der Boden wurde ausgemagert, verunkrautet und versumpft. Die Quellen wurden verunreinigt und die ganze Strecke wimmelte von Anophelesmücken, wurde dadurch zu einem Herd gefährlicher Malaria. Während der paar Unterhandlungsjahre zwischen der P. L. D. C. (für Keren Kajemeth) und dem Besitzer wurde die Raubwirtschaft auf der ganzen Strecke noch gesteigert und unseren neuen Kolonisten ist ein ausgemauerter, verunkrauteter und mit Malaria verpesteter Boden vom Keren Kajemeth zur Bewirtschaftung übergeben worden. Es wurde nach der von einer Kommission ausgearbeiteten Norm jedem Ansiedler 100 Dunam Boden gegeben; die Kolonie ist ziemlich groß und ist nicht mit gewöhnlichen parallelen Straßen angelegt; der Architekt

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