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Palästina · 1927-01-01 · Heft 4-5 · p. Seite 216

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 4-5
Article
Übersicht aus Palästina
Date
1927-01-01
Page
Seite 216 (sequence 2)
Language
German
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216 treten aller jüdischen Parteien als ein geschlossener Block ist, so ist es anderseits vielleicht zu bedauern, daß bei den ersten Wahlen, die in Jerusalem stattfinden, das Interesse der Juden an den Wahlen infolge des fehlenden Parteikampfes geringer sein wird. Dennoch ist die Wahlbewegung in Jerusalem überraschend stark. Die Araber Jerusalems sind in zwei Parteien geteilt: in eine, die von der Familie der Naschaschibis geführt wird, die auch bisher das Bürgermeisteramt in Jerusalem innehatte, und in eine zweite, an deren Spitze die Familie der Husseini steht, die auch die Führung in der Arabischen Nationalen Exekutive und in dem Obersten Mohammedanischen Rat besitzt. Interessant ist, daß, obwohl die Regierung in einer den wirklichen Verhältnissen der Gegenwart nicht entsprechenden Weise die Bevölkerung in religiöse Gruppen, die Araber daher in zwei Wählerkurien, eine mohammedanische und eine christliche, geteilt hat, die Araber, selbst Kandidatenlisten aufgestellt haben, die über diese religiöse Trennung hinweggingen und nach Parteien zusammengesetzt waren. Es wäre ein dringender Wunsch, daß die Regierung mit den Tatsachen zu rechnen beginnt, daß es in Palästina zwei Völker gibt, die Araber und die Juden, und nicht drei Religionen, wie die Regierung fortfährt, anzunehmen, Mohammedaner, Christen und Juden. Das jüdische Wahlkomitee hat beschlossen, sechs Kandidaten der Liste der Naschaschibi-Partei zu unterstützen. Die Naschaschibi-Gruppe hat sich bisher den jüdischen Forderungen gegenüber entgegenkommender gezeigt als die Husseini-Gruppe. Es ist auch von Wichtigkeit, daß die Husseini-Gruppe, die bereits alle wichtigen Schlüsselpositionen im arabisch-politischen Lager innehat, nicht noch durch die Herrschaft im Jerusa.lemer Stadtrat ein absolutes Monopol erlangt, um so weniger, als in den letzten zwei Jahren sich überall eine starke Opposition gegen die Führung der Husseini im arabischen Lager geltend gemacht hat. Beide arabischen Parteien haben sich in den letzten Tagen vor den Wahlen mit hebräischen Aufrufen an die jüdische Wählerschaft Palästinas gewandt. Der ganze Wahlkampf wird ausschließlich in zwei Sprachen, der arabischen und der hebräischen, geführt, so daß zum ersten Male bei diesem ersten Schritt zur Einführimg autonomer Institutionen in Palästina die beiden wirklichen Landessprachen in ihr Recht traten. Dagegen waren alle offiziellen Wahldokumente vor allem in englischer Sprache und erst in zweiter Linie in den beiden anderen Landessprachen oder in einer von beiden gedruckt. Die Sprachenfrage ist unter der englischen Verwaltung in Palästina in einer für die Bevölkerung durchaus nicht vorteilhaften Weise gelöst. Ein großer Teil der englischen Beamtenschaft kennt die eigentlichen Landessprachen überhaupt nicht; besonders stark macht sich das bei der Polizei bemerkbar. Es ist außerordentlich schwer, sich mit einem Polizeir manne in Jerusalem zu verständigen. Die meisten arabischen Polizeileute verstehen weder hebräisch noch englisch. Die britischen Schutzleute, denen alle wichtigeren Aufgaben zufallen, verstehen weder arabisch noch hebräisch, so daß sie eigentlich für den Verkehr mit dem Publikum, zu welchem Zwecke sie ja eigentlich da sind, vollständig ungeeignet sind. Daraus entsteht eine Reihe von Mißverständnissen, die selbstverständlich nicht dadurch beigelegt werden, daß die Polizei, insbesondere auch die britische, die zum großen Teil Ueberreste der berüchtigten Black and Tans aus Irland in sich schließt, gegen das Publikum mit .einer Roheit vorgeht, die in England oder in anderen westeuropäischen Staaten völlig unerhört wäre und die nur im alten Rußland oder in Asien gebräuchlich war. Hier auf die Einführung von Reformen und eines zivilisierten Standards zu drängen, wäre, wie auf allen anderen Gebieten des Kulturfortschrittes, vor allem eine Aufgabe der jüdischen Bevölkerung. Dazu würde es aber auch gehören, daß die jüdische Bevölkerung selbst durch Vermeidung aller Roheits- und Gewaltakte, auch Tieren gegenüber, ein Vorbild biete. Die weitere Mithilfe der Regierung zur Besserung der Lage der

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