Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Schutz den Heilquellen Palästinas!
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 1)
- Language
- German
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210 Schutz den Heilquellen Palästinas! Von Sanitätsrat Dr. S. Lachmann, Bad Landeck in Schlesien. Die wirtschaftliche Krise, die augenblicklich den Fortschritt der Kolonisation Palästinas hemmt, macht es zur dringenden Forderung, daß unverzüglich alle Mittel in Bewegung gesetzt, alle Faktoren herangezogen werden, die irgendwie neue Arbeitsmöglichkeiten erschließen und neue Geldquellen für das Land eröffnen können. Unter ihnen könnte bei sachgemäßem Vorgehen die Inangriffnahme der Schaffung von Heilbädern eine sehr große Rolle spielen. Die wirtschaftlichen Chancen dieser Bäder wären außerordentlich, günstig. Alljährlich reisen viele Tausende von Kranken und Erholungsbedürftigen im Winter nach Algier, nach den Heilquellen von Heluan, nach dem Wüstenklima Oberägyptens. Ganze Länder leben von diesem Fremdenzustrom. Nicht nur, daß unmittelbar durch diese Gäste dem Lande reiche Geldmittel zufließen; auch die einheimischen Betriebe werden dadurch in gesunder und produktiver Weise gefördert. Es sei nur daran erinnert, welchen Impuls die Bautätigkeit durch solche Unter- " nehmungen erfährt, welche Förderung das Beherbergungsgewerbe ( und die dem Verkehr dienenden Betriebe. Vor allem aber wäre dadurch für die Produkte der landwirtschaftlichen Kolonien ein ganz neuer und sehr konsumkräftiger Absatzmarkt erschlossen, der insbesondere für Qualitätserzeugnisse volle Würdigung hätte. Die Möglichkeit, im Zusammenhang mit den vorhandenen natürlichen Heilquellen Palästinas Kurorte größten Stils zu schaffen, besteht durchaus. An erster Stelle kämen die Quellen von Tiberias dafür in Frage. Dort befinden sich schon eine Stadt, Verkehrswege, erste Unterkunftsmöglichkeiten, vor allem aber eine uralte Tradition, die die hohe Heilkraft der Quellen verbürgt. Die Quellen von Tiberias, die seit dem grauen Altertum ununterbrochen im Betrieb geblieben sind, gehören zu den schwefelhaltigen Solquellen von hoher Temperatur. Wenn sie kürzlich in einer hebräischen Zeitung in Parallele mit den Quellen von Karlsbad gestellt worden sind, so beweist das nur die völlige Ignoranzderer, die solche Notizen lancieren. Mit Karlsbad haben die Quellen freilich nichts gemein; sie stehen in ihrer Wirkung etwa den Quellen von Aachen, Wiesbaden oder Baden-Baden nahe, und dem entsprechen auch die Erfahrungen mit ihnen bei'Rheumatismus, Gicht, Frauenkrankheiten, Ischias usw. Allerdings ließe sich der Anwendungsbereich noch außerordentlich erweitern, insbesondere in Verbindung mit dem Klima, wenn die dafür nötigen Einrichtungen geschaffen würden. (Nun ist Tiberias ja seit langem ein Lieblingsobjekt kleiner Spekulanten, «Hie zwar bisher nichts geschaffen haben, jetzt aber anscheinend im Begriffe stehen, recht viel, wenn