Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Die Reform des Zehnten
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 1)
- Language
- German
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183 Die Reform des Zehnten. Wir haben in Nr. 3 unserer Zeitschrift (Seite 135) über die Vorschläge der zur (Reform des Oscher (Zehnten) von der Regierung eingesetzten Kommission berichtet. Der Oscher (Zehnte) beträgt 10 Prozent (vor zwei Jahren war er noch 12,6 Prozent) des Ernteertrages in natura. Dadurch, daß Rohertrag und nicht der Reinertrag besteuert wird, wirkt diese Taxe quasi wie eine Strafe für die Intensivierung der (Bebauung, weil die Kosten, mit denen der Rohertrag, erzielt wurde, unberücksichtigt bleiben. Außerdem bringt die Einhebung des Oscher eine Reihe von Unannehmlichkeiten für den Bauern mit sich. Er muß das Getreide solange aufbewahren, bis die Scäiätzungsko'mmission kommt. Die Schätzungen und Berufungen dagegen sind ebenfalls eine Quelle von Un« annehmlichkeiten. Die Reform des Oscher wird daher schon seit langer Zeit von den sachverständigen Kritikern verlangt, und zwar soll sie oach den meisten Autoren in eine fixe Grundsteuer umgewandelt werden. Dr. Leon Schulmann schlug in seinem Werke „Palästina und die Fellachenwartschaft" (1916) die Umwandlung des Zehnten in eine alle Bodenkategorien treffende Grundsteuer vor. Dr. R u p p i n verlangt in seinem Aufbaubuch dasselbe (1919). Er sagt darin (Seite 89): „Hiebei sollte der Steuersatz im Interesse der Kleinbesitzer so .abgestuft werden, daß er bis 100 Dunam nur gering ist und mit der Größe des Grundbesitzes immer höher wird, Das wäre ein gutes Mittel, um das (Brachiiiegen des Großgrundbesitzes zu Spekulationszwecken zu verhindern und die Besitzer zu veranlassen, ihren Boden an selbst arbeitende Landwirte zu verkaufen." iRuppin spricht damit einer Steuer auf bebautes und 'unbebautes Land das Wort. Die Steuer auf letzteres hätte tatsächlich die von ihm gewünschte Wirkung. Die unbebauten Böden, auf ■ denen eine Steuer lastete, würden zum Markt -getrieben und dadurch die Preise gesenkt werden. Für eine ähnliche Reform sprach sich Dr. Anje Tax t ak o w er: „Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina" („Der Jude" VI/12) aus. foi Palästina hat im Jahre 1924 P. Cornfeld bereits fixe Vorschläge zur Reform des Oscher gemacht, doch die von ihm verlangten Grundsteuersätze waren zu hoch. In Nr. 6/1936 der (Zeitschrift „Palestine ,and Near Bast" erstattete Agr. Zagorodsky, der als_kndwiirtschaftlicher Fachmann und Schätzmeister für Bodenpreis eine genaue Kenntnis der Boden werte hat, detaillierte Vorschläge zur Umwandlung des Oscher in eine Grundsteuer, bei welcher er die Bodenkategorien nach ihrem Wert und Ertrag -abstufte. Er schlug folgende Sätze vor (in Piastern per Dunam): Orangengärten 60, andere Eruchtböden 15, Do-räand 21U) Großbesitz 41/*, Weiden nahe den Dörfern l1/2, andere Weiden, (Waidland 0,375: Dadurch würden ebensoviel Einkünfte erzielt werden, als der Oscher einbringt, indes im Gegensätze zu heute die Hauptlast auf Großbesitzern und Pflanzern läge.