Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Geistiges Leben.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379861-2383853--04841-2384045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 Aegypten, dem Kampf um die Verweltlichung, erzählte, Dinge, die auch für Palästina nicht gleichgültig sein können. Kein Wort stand in den hebräischen Zeitungen. Und so fort. Nicht unerwähnt -soll freilich bleiben, daß von jüdischer Seite auch manche gute Versuche zur- Schaffung einer Gemeinsamkeit geschehen. Der Besuch der ägyptischen Lehrer in Palästina und der jüdischen Lehrer in Aegypten war zweifellos ein sehr wichtiger Sehritt. Kürzlich lud die jüdische Lehrerorganisation Jerusalems den Leiter des staatliehen Erziehungswesens (das \ bekanntlich bis s heute keine jüdischen - Schulen einschließt) ein, vor den jüdischen Lehrern über die Richtlinien der staatlichen Schulpolitik in den arabischen Schulen zu berichten. In Jerusalem hat die Vereinigung Brith Schalom arabische Kurse eingerichtet. Aber diese Versuche gegenseitiger Aussprache sind sporadisch und zufällig und man merkt nicht den einheitlichen Willen der Juden Palästinas, ein Staatsvolk zu werden. Es sei mir gestattet, auch dies durch eine kleine Anekdote zu belegen. Zwei jüdische Schuljungen zielen mit Steinen nach einer. städtischen Laterne. „Ihr werdet ja die Laterne zertrümmern,"" •sagt ein Vorübergehender. „Das macht nichts, das zahlt ja Storrs" (der Gouverneur von Jerusalem). So lebt schon (oder noch?) in den Kindern das Bewußtsein, daß der Staat etwas Fremdes ist, in Palästina wie im europäischen .Ghetto. Und doch sollte in Palästina unsere Einstellung eine andere sein. . . * Kurze Nachrichten. Die hundertjährige Wiederkehr des Todestages Pestalozzis wurde von den jüdischen Schulen festlich begangen. Die Arbeiterzeitung „Dawar" gab eine besondere, Pestalozzi gewidmete Beilage heraus. — Die zweihundertfünfzigjährige Wiederkehr des Todestages Spinozas wurde von der Universität Jerusalem gefeiert. Die National- und Universitätsbibliothek veranstaltete eine Spinoza-Ausstellung. — Der Kulturausschuß der Arbeiterschafthat in Jerusalem seminarartige Kurse für einen beschränkten Zühörerkreis aus ausgewählten Mitgliedern der verschiedenen Gewerkschaften eingerichtet. Die Kurse, welche sich über mehrere Monate erstrecken, behandeln die Themen: „Geschichte der Volksbildung", „Die Politik des nahen Ostens", „Geschichte der Gewerkschaften", „Geschichte der jüdischen Siedlungen in Palästina". — In En Charod fand eine Zusammenkunft der Leiter der Bibliotheken der verschiedenen Arbeitersiedlungen statt. Es. wurden die Methoden der Arbeit besprochen. Unter den Beschlüssen ist bemerkenswert, daß nunmehr die Siedlungen selbst in größerem Maße zur Tragung der Kosten der Bibliotheken herangezogen werden. Bemerkenswert ist auch der Beschluß, infolge der Armut der hebräischen Literatur in größerer Zahl jiddische und russische Bücher anzuschaffen. — Nach langer Pause ist eine Nummer des „Hasch*- loach" erschienen. Die Redaktion teilt mit, daß diese Nummer, welche den 46. Band des „Haschiloach" abschließt, vermutlich die letzte Nummer der Monatsschrift sein wird. Damit ist die einzige literarisch-wissenschaftliche Monatsschrift in hebräischer Sprache, welche noch existierte, eingestellt. Als Ursache gibt die Redaktion die Nachlässigkeit der Abonnenten in der Zahlung an. — Die jüdische Lehrerorganisation begann mit der Herausgabe zweier Jugendzeitschriften: „Olam Hajeladim" für Kinder und „Moledet" für die heranwachsende Jugend. Das Bestehen dieser Zeitschriften und weiterer von der Lehrerorganisation in Aussicht genommener Veröffentlichungen erscheint durch Abzüge von den Gehältern der Lehrer fürs erste gesichert; — Die jüdische National- und Universitätsbibliothek teilte am 1. Jänner mit, daß sie im Besitze von 141.117 katalogisierten Bänden ist. — Walter Pretiß veröffentlichte in der Arbeiterzeitung „Dawar" Ziffern über die kulturellen Verhältnisse unter