Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Geistiges Leben.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 2)
- Language
- German
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133 italienischen Orden lebte, Italienisch und etwas Arabisch gelernt. Von unserem Wollen und Tun hatte er keine Ahnung. Das war nicht böser Wille. Er wußte ebensowenig von uns, als wir von den ctiaritativen Werken seines Ordens in Palästina wissen. Wir sind Gruppen und Grüppchen. Fast jede"s Haus eine Welt für sich, jedenfalls jede Religion, jede Landsmannschaft. Man spricht bei uns seit Jahren von Annäherung , an die Araber. Man vergißt, daß hiezu das* Primitivste fehlt: Eine gemeinsame Sprache, ja auch, nur die Gelegenheit, einander zu begegnen. . In einem Lande solcher gegenseitiger Abgesperrtheit müßte die Presse eine ungeheure Bedeutung gewinnen. Sie wäre zunächst der einzige Ort, wo man voneinander erfahren, einander kennen lernen könnte. Die in Weltsprachen geschriebene. Presse Palästinas ist ausschließlich im Besitz von Juden. Arabische Versuche, eine englische Presse zu gründen, schlugen fehl. Aber die englisch-jüdische Presse ist Privatbesitz und sieht die ungeheuren Aufgaben gar nicht, die sie haben könnte. Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten unseres Lebens, daß die Zionistische Exekutive nicht die Notwendigkeit empfindet, uns vor der Welt durch ein würdiges, von großen Gesichtspunkten diktiertes. palästinensisches Blatt in einer europäischen Sprache vertreten zu lassen. In einer vornehmen Presse könnte sich geistiges Leben der verschiedenen Volks- und Religionssplitter zur Gemeinsamkeit gestalten. Ich wiederhole: Es fehlt drüben nicht an gutem Willen. Unsere Oper wird von Christen und Moslems besucht, bei Einsteins Vortrag erschienen die Kleriker aus fast allen Klöstern Jerusalems in unserer Universität, in der jüdischen Nationalbibliothek sieht man häufig Franziskaner, Dominikaner, arabische Studenten. Auf jüdischer Seite besteht wohl auch guter Wille. Aber wir sind nach innen hin noch allzu schwach und müssen daher manches nach außen trennende Moment betonen und unterstreichen, um uns nach innen hin zu sichern. Dies gilt vor allem von der hebräischen Sprache, deren Dasein noch lange nicht genügend gesichert ist. Deswegen können wir uns zum Beispiel nicht darauf einlassen, etwa an der Universität auch nur einige Vorlesungen in einer europäischen Sprache zu halten, obzwar das vom Staudpunkt des gegenseitigen Verständnisses wünschenswert wäre. Die Außenpolitik muß hier eben inneren Erwägungen weichen. Aber freilich, nicht immer ist unsere Absonderungspolitik durch solche objektive Umstände geboten. Die Tendenz zur Absonderung, die Furcht vor dem Niederbrechen der Mauern, in die wir uns begeben haben, ist Ghettoerbe. Sie zeigt sich auch auf politischem Gebiete (siehe Stellung des Waad Leumi zur Frage der Gemeinde wählen und des Kuriensystems). Die Folgen einer solchen Tendenz sind vor allem geistiger Natur. Es sei mir sogleich gestattet, dies durch ein Beispiel zu belegen: Im Herbst veranstaltete das Deutsch-Evangelische Archäologische Institut in Jerusalem eine Anzahl von Vorträgen. Vortragende waren deutsche Gelehrte, zum Teil von internationalem Ruf, wie Sellin u. a. Die Vorträge waren in deutscher, also einer den meisten Juden verständlichen Sprache gehalten und handelten von jüdischer Geschichte. Das archäologische Interesse ist unter den Juden Palästinas sehr stark und die Vorträge wären zweifellos von zahlreichen jüdischen Zuhörern besucht worden. Aber die hebräische Presse nahm keine Notiz. Nicht aus bösem Willen, sondern weil der Reporter einfach nicht erfährt, was jenseits der Mauern vor sich geht. (Dafür wird jede Kleinigkeit von diesseits ausführlich breitgetreten.) Anderes Beispiel: Die Y. M. C. A. in Jerusalem, welche dieses Jahr einen arabischen. Vortragszyklus veranstaltet (die Y. M. C. A. scheint eine bewußte Kulturpolitik unter den Arabern machen zu wollen), lud u. a. einen bedeutenden ägyptischen Publizisten ein, der den Zuhörern (auch viele Mohammedaner waren da) von der Kulturkrise in