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Palästina · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 129

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Übersicht aus Palästina
Date
1927-01-01
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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129 neuerliche Tagung des Arabischen Nationalen Kongresses einzuberufen, schlugen fehl. Unterdessen aber versuchen die jüngeren arabischen Politiker, neue Parteien zu schaffen, deren Programm dadurch ausgezeichnet ist, daß' sie zu einer positiven Mitarbeit mit der Regierung irrt Interesse des Landes und seiner Bevölkerung bereit sind und daß sie eine immer stärkere Aufmerksamkeit auch den sozialen Fragen widmen und ein Verständnis für Probleme des Arbeiterstandes besitzen. Bis jetzt haben diese Bestrebungen noch zu keiner festen Kristallisation geführt. Aber von Zeit zu Zeit erscheinen immer wieder in der arabischen Presse Artikel, die darauf hinweisen, daß sich unter dem. Einfluß der britisch-europäischen Mandatsverwaltung1 und zum großen Teil auch unter dem Vorbilde, der jüdischen Einwanderer ein allmählicher Wandel unter den arabischen, Politikern vollzieht, der dahin tendiert, sie für Probleme sozialer Arbeit und Reformen, wie sie in Europa gestellt werden, empfänglicher zu machen, während bisher ein bloßer pathetischer Nationalismus und seine Forderungen die arabischen Politiker in seinem Bann gehalten hat. Wirtschaft. Von Dr. Kurt Grunwald, Tel-Awiw. An dieser Stelle soll von nun ab der Versuch gemacht werden, das Werden der palästinensischen Wirtschaft mit all ihren Krisen und Rückschlägen, mit all ihrem Vorwärtstasten und Vorwärtsschreiten aufzuzeigen. Nicht Zahlen und Daten sollen hier gegeben werden; die gehören an eine andere Stelle. Hier werden Ereignisse herausgegriffen werden, die entweder symptomatisch sind als Ausdruck gewisser Stadien einer Entwicklung oder von entscheidender Bedeutung für dieselbe. In diesem Sinn mag diese Rubrik als Chronik gewertet werden, wenn ihr auch nicht der objektive Griffel des Chronisten dient, sondern die Feder des Wirtschaf tsbetrachters,- der seinen subjektiven Standpunkt, wenn auch an den objektiven Tatsachen des Wirtschaftslebens, gewonnen hat. * Die Hauptfrage Palästinas ist gegenwärtig die Arbeitslosigkeit. Sie steht im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Das Problem ist schwer und durch Verzögerung der Arbeiten am Jordanwerk und am Hafenbau scheint ihre baldige Lösung überhaupt fraglich. Von verantwortlicher Seite wurde die Rückleitung dieser brachliegenden Arbeitskräfte gefordert, ein Vorschlag, der besonders plausibel scheint, wenn man daran denkt, daß diese Arbeitslosen ökonomisch eigentlich dieselbe Funktion erfüllen, wie die italienischen und slowakischen Arbeiter, die nach vollendeter Arbeit wieder heimzogen. Dennoch wird der Vorschlag vom nationalen Standpunkt aus bekämpft, da seine Durchführung eine Schwächung des Jischuw darstellen würde. Alle anderen Vorschläge, die besonders von Seiten der Arbeiterschaft gemacht werden, befriedigen kaum und ihre Inangriffnahme würde nur die Not des Tages erleichtern können. Das Problem ist jedoch so zu stellen, wie die Menschen einer dauernden, produktiven Tätigkeit zugeführt werden können. Eine einzige Stimme in der Arbeiterschaft erhob .sich in dieser Hinsicht schon seit längerer Zeit, der von Luft gestellte Antrag nach Anlage von Orangenpflanzungen seitens der Arbeiterschaft. Doch könnte eine derartige Tätigkeit sich erst nach sechs Jahren auswirken, und so ist es begreiflich, daß dieser Vorschlag keinen Anklang fand, so bedauerlich dies auch sein mag. So beginnen sich wieder zwei Meinungen. gegenüberzustehen, die eine, die „Stop Immigration!" ruft, und die andere, die sich aliein gegen die. Regierung richtet, die die Behebung der Arbeitslosigkeit in die Hände nehmen müßte. .Wenn jedenfalls die zweite Ansicht weit mehr Berechtigunghat als die erste, so liegt doch auch in dieser ein -Quentchen1 Berechtigung. Es ist unbedingt in Hinkunft eine Regulierung der Immigration in Hinblick auf das Verhältnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber notwendig

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