Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Übersicht aus Palästina
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
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128 wirtschaftliche und andere Interessen ein Zusammengehen verhältnismäßig leicht ermöglicht-hätten. Das erfreulichste Zeichen auf dem Gebiete der palästinensischen Politik in der letzten Zeit ist die erhöhte Anteilnahme der palästinensischen. Regierung an dem jüdischen Aufbauwerk. Den geduldigen und unausgesetzten Bemühungen der Zionistischen Exekutive ist es gelungen, eine prinzipielle Aenderung in der Stellung der Regierung herbeizuführen. Die. Regierung hat bereits die ersten Schritte1 getan, urn sich an dem Erziehungs- und Gesundheitsbudget, das bisher ausschließlich dem Kereri Hajessod oblag, in weitgehendem Maße zu beteiligen und sie hat ihre Absicht kundgetan, diese ihre Beteiligung in der nächsten Zukunft noch sehr zu vergrößern. Daneben hat die Regierung jetzt bereits begonnen, eine Reihe größerer öffentlicher Arbeiten durchzuführen, die direkt der Linderung der jüdischen Arbeitslosigkeit dienen sollen, und prüft eine Reihe weiterer Projekte mit dem gleichen Ziele. Diese Mithilfe der Regierung läßt es auch jetzt schon als möglich erscheinen, daß bis zu einem weitgehenden Grade die Zionistische Exekutive imstande sein wird, die Auszahlung direkter Unterstützungen an die Arbeitslosen aus Keren Hajessod- Mitteln, die den Arbeitslosen ebenso unerwünscht ist wie der Exekutive, einzustellen und zur Durchführung größerer produktiver Arbeiten, zum Teil mit Unterstützung der Regierüng, zum Teil mit Mitteln des Keren Hajessod, überzugehen. „ Im allgemeinen sollten die Bemühungen des jüdischen Jischuw darauf gerichtet sein, einen immer stärkeren Anteil an der palästinensischen Gesetzgebung und Verwaltung zu erhalten, nicht im Wege theoretischer Forderungen oder leerer Proteste, sondern durch aktive Mitarbeit und Förderung des kulturellen und sozialen Niveaus der gesamten Bevölkerung des Landes. Die Gesetzgebung Palästinas ist in vielfacher Hinsicht noch durchaus rückständig und es liegt im Wesen jeder Vefwaltungsbureaukratie, mit Reformen sehr langsam vorzugehen. Der jüdische Teil der Bevölkerung, als der bei weitem fortgeschrittenere, sollte für die notwendigen Reformen in Gesetzgebung und Verwaltung sorgen, die nicht nur das palästinensische öffentliche Leben.auf das Niveau eines modernen Kulturstaates heben, sondern auch erzieherisch auf den arabischen Teil der Bevölkerung einwirken würden. Alle Probleme der palästinensischen Rechtspflege und Verwaltung, das Strafrecht, der Strafvollzug, die öffentliche Gesundheitspflege, Volksbildung, soziales Fürsorgewesen, sollten in ihrer Gesamtheit, viel mehr als es heute geschieht (wo es kaum irgendwie ernsthafte Versuche dazu gibt), in den Gesichtskreis der palästinensischen Juden treten und sollten durchihre Reformvorschläge und ihre soziale Tätigkeit verbessert werden. Eine wirkliche Verbundenheit mit Palästina erfordert nicht nur die Einbürgerung des jüdischen Bewohners, sondern auch eine wirkliche Teilnahme an dem gesamten Leben des Landes. r ' Im arabischen politischen Lager zeigen sich in der letzten Zeit immer stärker die Zeichen der Zersetzung, die bereits vor einigen Monaten festzustellen waren. Die arabische Exekutive, die auf dem letzten nun bereits vor mehr als vier Jahren zusammengetretenen Arabo-palästinensischen Kongreß gewählt wurde, verliert immer, mehr an Autorität. Im vorigen Jahre hat bekanntlich anläßlich der Wählen zu dem Obersten mohammedanischen; Rat im Norden Palästinas eine starke Opposition gegen die Arabische Exekutive eingesetzt, die beschuldigt wurde, daß sie aus-, schließlich die Interessen der Familie Husseini vertrete. Diese Opposition, die ihren Sitz in Akko und Haifa hatte, hat unterdessen weitere Kreise ergriffen und es ist charakteristisch, daß die Jaffaer Zeitung „Feiestin", früher das Sprachröhr der Arabischen Exekutivej nun auch in das Lager ihrer Gegner übergegangen ist. Alle1 Versuche, die gemacht wurden, eine-.