Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Allgemeiner Teil
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 2)
- Language
- German
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127 Mandat verpflichtet fei, einzuleiten". Der bereits in' Angriff genommene Ausbau von politischen Stützpunkten zur Gewinnung und Beeinflussung der öffentlichen Meinung im zionistischen Sinn wird im Zusammenhang mit den bereits geschaffenen Propalästina-Komitees in England, Frankreich und Deutschland sowie den noch zu schaffenden, die Errichtung einer ständigen Vertretung beim Völkerbund in Genf, sicherlich in der Lage sein, in der nächsten Zeit der zionistischen Politik jenen Rückhalt in der öffentlichen Meinung der im Völkerbundrat vertretenen Länder zu verschaffen, den sie unbedingt notwendig hat Am 17. Jänner 1927 hat Prof. Weizmann in einer Massenversammlung in New York Mitteilung davon gemacht, daß seine Verhandlungen mit der Marshall-Gruppe wegen Erweiterung der Jewish Ägency erfolgreich beendet wurden und daß er sich davon für die Zukunft eine Förderung des Palästinaaufbauwerkes verspreche. Vereinbart wurde ferner, daß eine Kommission leitender Juden und Fachleute auf ökonomischem und wirtschaftlichem Gebiete zur Erforschung der gegenwärtigen Bedingungen und künftigen Möglichkeiten nach Palästina geschickt werden soll. Als Leiter dieser Kommission werden Lord Reading, Felix Warburg, Sir Herbert Samuel, Sir Alfred Mond und andere bekannte Persönlichkeiten, die als Fachleute auf den Gebieten der Kolonisation, Landwirtschaft, Industrie und Finanzen gelten, genannt, die ihre Reise derart einzurichten haben werden, daß sie ihren Bericht noch vor dem im Herbste dieses Jahres stattfindenden Zionistenkongreß fertigstellen können. 2. Uebersicht aus Palästina. Von Dr. Hans K o h n, Jerusalem. Ende des Monats März finden die Wahlen für die Vertretungskörperschaften in den palästinensischen Städten statt. Das Verzeichnis der Wähler ist bereits abgeschlossen. Es hat sich erwiesen, daß in den palästinensischen Städten, wo eine zahlreiche jüdische Bevölkerung lebt, diese nur in einer Stadt, nämlich in Tiberias, die Mehrheit bildet. In Jerusalem selbst werden die Juden ein Drittel der Sitze im Stadtrat beanspruchen können. Die größte Enttäuschung für die Juden hat das Wahlresultat in Haifa ergeben. Wohl kann man in Jerusalem darüber klagen, daß die Regierung die drei außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes gelegenen neuen jüdischen Wohnviertel Talpiot, Beth Hakerem und Mekor Chajim nicht in den Wahlkreis der Stadt Jerusalem einbezogen hat, obwohl die Rechtsstellung dieser jüdischen Vorstädte eine nicht ganz klare ist. Aber selbst ihre Einbeziehung hätte das Resultat kaum wesentlich geändert. Einen großen Teil der Verantwortung für die verhältnismäßig schwache Vertretung der Juden in den Stadtverwaltungskörpern trägt der Umstand, daß nur ein geringer Teil der Juden, insbesondere in den steuerzahlenden Kreisen, sich hat einbürgern lassen. Die jüdische Gemeinde Jerusalems hatte zwar in der letzten Zeit eine aktive Propaganda für die Einbürgerung entfaltet, aber in Haifa hat diese fast vollständig gefehlt. Die dortige jüdische Stadtvertretung hat sich vielmehr auf leere Proteste beschränkt statt zu aktiver Arbeit und bürgerlicher Erziehung zu schreiten. Wollen die Juden an dem staatsbürgerlichen Leben Palästinas Anteil nehmen, müssen sie auch die vollen Konsequenzen ziehen und sich als palästinensische Bürger betrachten. Die Wahlen für die Stadträte sind der erste Schritt auf dem Wege zu einer palästinensischen Selbstverwaltung. Allgemein wird vermutet, daß die Regierung beabsichtigt, sie als Vorstufe zur Einberufung einer das ganze Land umfassenden Repräsentanz zu betrachten. Die jüdische Bevölkerung-hat diesmal den Fehler begangen, viel Zeit mit Protesten zu verbringen, statt sie zu einer durchgreifenden Organisation und Beeinflussung der jüdischen Wählerschaft und einer positiven Wahlpolitik zu benutzen. Die Wahlen hätten auch Gelegenheit geboten, zu einer Verständigung mit nicht jüdischen Gruppen zu gelangen, insbesondere auf dem Gebiete der Kommunalpolitik, wo gemeinsame