Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Boden- und Siedlungspolitik
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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84 erfordern, um gewisse Folgen herbeizuführen oder andere zu beseitigen. Die Bodenpolitik steht und'fällt mit der Siedlungspolitik. Der Boden ist die Grundlage der Kolonisation, sowohl ländlicher als auch-städtischer; er' ist die Basis für 'jede produktive Betätigung. Die erste Aufgabe des Kolonisators ist, sich den Boden zu eigen zu machen und sich eine freie Verfügung über ihn zu sichern. Er muß Boden erwerben iund Siedlungsarbeit führen. Welche Tätigkeit soll dabei für ihn ausschlaggebend sein, was muß vorangehen? Am besten und gewiß am leichtesten wäre es, einen Plan aufzustellen, dahingehend, von dem ganzen Boden, den die jüdische Kolonisation für ihre Zwecke braucht, vorher Besitz zu ergreifen, um 'dann in Ruhe und Muße den Siedlungsplan aus-: führen zu können. D<as wäre der einfachste Weg, und die dabei auftauchenden Probleme wären wahrscheinlich nicht so schwer zu lösen. Eine - solche Schematische,, abstrakte Betrachtung der Dinge ist aber in einer modernen Gesellschaft ausgeschlossen. Es gibt zwar eine Auffassung der Bodenpolitik, die etwas von' dieser Denkweise an sich hat, und zwar diejenige, die besagt, daß die erste Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft in Erez Israel ist, sich den Boden zu sichern, ohne Rücksicht auf die Siedlungserfordernisse, auf die Möglichkeiten der Kolonisation, und die zur Erreichung dieses Zweckes bereit ist, jeden anderen Teil der Aufbauarbeit in den Hintergrund zu stellen. Aus politischen Gründen sieht sie die größte Gefahr für unsere Besitznahme des Bodens Erez Israels darin, daß wir in der allernächsten Zeit allen Boden, der zu haben ist, nicht an uns reißen wollen. Die Bodenfrage müßte von den Juden in einer sehr kurzen Zeitspanne, in fünf oder zehn Jahren, gelöst werden. Wenn man erst im Besitz des Bodens sein wird, werden sich alle kolonisatorischen Probleme gut lösen lassen; dann wird eine systematische Kolonisation in die Hand genommen, deren Augenmerk auf die größtmögliche Dichte der Bevölkerung gerichtet sein wird. Bis dahin muß der Boden nur eine Art Okkupation erfahren. Theoretisch könnte vielleicht ein solcher Weg wünschenswert scheinen. Man braucht aber nicht viel Worte darüber zu verlieren, daß er undurchführbar ist. Es wäre nutzlos, Thesen aufzustellen, deren Aussichtslosigkeit offenbar ist. Es ist praktisch weder möglich — schon aus Gründen, die sich unserem Einfluß entziehen und an den Verkäufern der Böden liegen — den gesamten Boden in einer kurzen Zeit zu erwerben, noch sind bei uns die dafür erforderlichen gewaltigen Mittel, vorhanden, noch kann auf allen anderen Gebieten der Aufbauarbeit darauf gewartet werden, bis der ganze Boden in unserem Besitz sein wird. Unsere Bodenfrage ist keine temporäre, die in einer kurzen Zeitspanne gelöst werden kann, sondern wie das ganze Werk der Juden im Lande eine dauernde, auf lange Sicht gerichtete. Die Bodenfrage