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Palästina · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 7

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 1-2
Article
Achad Haams ökonomische Lehre
Date
1927-01-01
Page
Seite 7 (sequence 2)
Language
German
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7 Diaspora nicht die Funktionen eines materiellen „Zentrums", das materielle Werte auf die Diaspora ausstrahlt, sondern die einer mit der Diaspora geistig und (kulturell verbundenen und sie befruchtenden Gemeinschaft ausüben wird. Dieses die Diaspora geistig beeinflussende Zentrum muß aber in seiner eigenen Struktur selbstverständlich ökonomisch völlig gesund und lebensfähig sein; der Körper ist Voraussetzung jeder geistigen Wirkung. Der Körper muß gesund sein; viel schärfer als irgend €in anderer zionistischer Führer oder Parteimann hat Achad Hiaam bereits in den ersten Anfängen der palästinensischen Kolonisation [die Forderung formuliert, daß die jüdischen Kolonien Ökonom i s c h s e 1 b s t e r h a 11 e n d sein müssen. (Er weiß genau, daß es unerbittliche Wirtschaftsgesetze gibt, die sich durch propagandistische Entstellungen -und Schönfärbereien nicht aus der Welt schaffen lassen. Er warnt daher vor allen schädlichen Uebertreibungen und vor allem vor der Propaganda einer überstürzten Masseneinwanderung, für die die ökonomischen Bedingungen nicht gegeben sind. Sein Aufsatz „Wahrheit aus Palästina", geschrieben im Jahre 1891 anläßlich der Hochkonjunktur der jungen chowewe-zionistischen Kolonisation, ist für uns heute von verblüffender Aktualität und beinahe 'unverändert auf die heutige Zeit anwendbar. Die überstürzte, undurchdachte, systemlose Kolonisation, die Führerlosigkeit, die Bodenspekulation, ja sogar die falsche Einstellung der Juden zu den Arabern hat Achad Hiaam schon damals als die Haupthindernisse der zionistischen Verwirklichung erkannt. Auch den Schaden der verantwortungslosen, 'unernsten Publizistik, der Sensationsjägerei, die aus jeder Mücke einen Elefanten macht und jede kleinste Tatsache in grotesker Uebertreibung oder Entstellung in die ganze Presse lanciert, hat Achad Haam schon damals gegeißelt. Aber vor allem trat er für äußerste Rationalisierung der Wirtschaft ein. Er, der auf dem -Gebiete des 'Geistes und der Erziehung ein radikaler Idealist war, war auf dem Gebiete der Wirtschaft ein nüchterner und praktisch denkender Kritiker. Er durchschaute den großen Unterschied zwischen einer lAuswanderun'g in ein Land entwickelter Wirt« schaft wie Amerika und ein zurückgebliebenes Land wie Palästina. Ständig warnte er vor Unterschätzung der Schwierigkeiten. Er tritt ein für planmäßige Erforschung des Landes und aller 'seiner Möglichkeiten, denn er weiß, daß die jüdischen Fortschritte nur auf dem Wege von Experimenten möglich sind, und e i n gelungenes Experiment bedeutet eine viel größere Chance als zwanzig unvollendete. Darum spricht er schon vor 36 Jahren die Erkenntnis aus, daß es in Palästina zunächst nicht darauf ankomme, wieviel wir tun und beginnen, sonderin w i e wir es tun. Sein Eintreten für sorgfältig vorbereitete j Qiuailitäitsleistung anstatt eines Vertrauens auf die Quantität beruht auf der Einsicht, daß ein einziger gelungener Versuch uns'Erfahrungen schafft, die eine Fortführung der Arbeit in ganz breitem Maß-

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