Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Zur Lage
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 5)
- Language
- German
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6 der Regierung zu nützen — z. B. Staatsländereien zu kolonisieren. Die Stärkung der Fonds ist das einzige, das völlig in der Macht aller an der jüdischen Kolonisation Palästinas innerlich interessierten Menschen liegt. Unsere Zeitschrift wird sich bemühen,, daran stets zu erinnern und durch ihren Inhalt das Interesse der Juden an dem Palästinawerk zu vertiefen. Diese psychologische Voraussetzung ist die wichtigste Bedingung für das Gelingen des großen Werkes. Djie Erkenntnis, daß die „Belebung der Herzen" die Vorbedingung -für die Renaissance des Judentums in Palästina sei, war die zentrale des großen Meisters Achad Ha am, vor dessen frischem Grabe wir stehen. War seine Rolle in der zionistischen Bewegung auch von grundlegendster Bedeutung und sein Einfluß in ihr unendlich tiefgehend und nachhaltig, so scheint dennoch,, was man kaum für möglich hielt, seine Gestalt immer noch zu wachsen. Gerade in der jetzigen Krise, in der wir mit sorgenvoller Spannung den „Wahrheiten aus Palästina" lauschen und die geistigen Grundlagen unseres Tuns aufs neue überdenken, steigen sowohl Achad Haams Erkenntnisse als auch seine Kritik der praktischen Arbeit so lebendig vor uns auf, als ob sie nicht drei und vier Jahrzehnte alt wären! Die Aktualität seiner Anschauungen über die Kernfragen der kolonisatorischen Tätigkeit in Palästina erweist der nachfolgende Artikel. Das Andenken des großen Denkers und Führers kann nicht besser geehrt werden als. dadurch, daß sich alle, die sich aktiv an dem Palästinawerk beteiligen, auch die Redaktion dieser Zeitschrift, seine unerschütterliche Wahrheitsliebe, wie seinen eigenartigen nüchternen Idealismus zum Vorbild nehmen. a. b. Achad Haams ökonomische Lehre. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin. Anläßlich des Hinscheidens von Achad Haam ist die Bedeutung dieses schärfsten Denkers der jüdischen Renaissancebewegung vielfach gewürdigt worden. Im Rahmen dieser Zeitschrift, die vorwiegend den ökonomischen Problemen Palästinas gewidmet ist, sei nur auf Achad Haams Stellung zu den ökonomischen Problemen hingewiesen. Bis in die heutige Zeit wirkt die unbegreifliche Mißdeutung der Lehre Achad Haams nach, die ihm die Auffassung unterschoben hat, der Zionismus solle in Palästina ein „geistiges Zentrum" in dem Sinne schaffen, daß dort vor allem geistig 'schaffende Juden und geistige Institutionen konzentriert werden, während das materielle Leben keine Rolle spiele. Achad Haam war ganz weit entfernt von einer solchen Irrlehre.. Was er mit seinem Wort vom „geistigen Zentrum" gemeint hat, ist keineswegs eine Ausschaltung oder Geringschätzung des ökonomischen Lebens, sondern nur die Feststellung der Tatsache, daß das palästinensische jüdische Gemeinwesen in seinen Beziehungen zur