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Palästina · 1927-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 1-2
Article
Zur Lage
Date
1927-01-01
Page
Seite 3 (sequence 2)
Language
German
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3 Die Leitung der Bewegung und alle offiziellen Stellen müßten viel nachdrücklicher, als es bisher geschehen is.t» den populären Schlagworten, die seit' 1919 herumschwirren und die von der bedingungslosen Möglichkeit einer andauernden Massenimmigratioh sprechen, entgegentreten. Wenn dies bisher nicht in wünschenswertem Ausmaße geschehen ist, so mag daran schuld sein, daß man hoffte, durch die eine Tatsache: die politischen Erfolge, so viel an bewegender Kraft auszulösen, daß die Mittel aufgebracht werden könnten, um die andere: den ökonomischen Druck, aufheben zu können. Man kann nicht rundweg sagen, daß dies überhaupt nicht •gelang. Viele Millionen Pfund sind teils an Gemeinschaftsmitteln, teils von Privaten nach Palästina geflossen und die Zahl der jüdischen Bewohner des Landes ist von 1919 (55.000) bis 1926 (160.000) verdreifacht worden, was eine ganz ungeheure Leistung ist. Aber da die Einwanderung heute — und so wird es so lange sein, als sie für die jeweils gegebene Wirtschaft übernormal groß sein wird — funktionell abhängig ist von dem gleichzeitigen adäquaten Zustrom des Kapitals für neue Ansetzung sowie auch für Alimentierung noch nicht konsolidierter (also noch nicht sich selbst erhaltender) früherer Kolonisation, so ruht ihre Sicherung auf einer sehr schwankenden, sehr unsicheren, von vielen unberechenbaren Faktoren bestimmten Unterlage. Die Ereignisse 1925 haben gezeigt, daß eine plötzliche starke Verminderung des Kapitalzustroms eine schwere Krise auslösen muß. Wie labil diesbezüglich die Lage ist, zeigt ein Blick auf die Außenhandelsziffern. Palästina hat im Jahre 1925 Waren im Werte von 7,6 Millionen Pfund eingeführt, d. s. 9,2 Pfund auf den Kopf. Vergleichen wir das mit Deutschland, wobei noch zu bemerken ist, daß in Palästina mehr als ein Drittel der Bevölkerung nahezu keine ausländischen Waren konsumiert, so finden wir: Import per Kopf in Pfund: Palästina: 9,3, Deutschland 0,85 Handelspassivum „ „ „ „ „ 7,2 „ 0,3 Das Defizit der Handelsbilanz wird zu einem Bruchteil durch Einnahmen vom Fremdenverkehr, im übrigen durch Kapitalszufuhr gedeckt. Auch diese Betrachtung zeigt, wie ungemein stark und andauernd der Kapitalszustrom sein müßte, um das Gleichgewicht zu erhalten. Von diesen großen Summen, die pro Jahr einströmen müssen, kann die Zionistische Exekutive derzeit nicht ganz eine Million direkt einfließen lassen, aus Geldern des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth Lejisrael und einigen anderen Quellen. Es ist daher schon aus diesem Mißverhältnis begreiflich, daß sie nach einer Verbreiterung ihrer finanziellen Einflußmöglichkeit strebt. Eben jetzt ist die Grundlage für den Eintritt der Nichtzionisten, soweit sie am- Aufbau verantwortlich mitarbeiten wollen, in die Jewish Agency geschaffen worden.

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