Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Der Oelbaum
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wurzeln zu einem nirgends sonst gesehenen Ornament scheinbar das Vorbild gegeben haben. Die Ausdehnung der Olivenkultur in alter Zeit beweisen die zahlreichen in den Felsen gehauenen Oelkeltern, denen man überall im gebirgigen Teile Palästinas begegnet, und wenn auch heute nur ein Teil der alten Baumpracht, des Landes übriggeblieben ist, so werden doch in den letzten Jahren — besonders von Seiten der jüdischen Kolonien — große Neuanpflanzungen vorgenommen, durch die die palästinensische Landschaft ihren grünen Schmuck mehr und mehr zurückgewinnen wird. Aber nicht der grüne Schmuck ist die Hauptsache, obwohl da Silbergrün der Oelbäume wunderschön zum Landschaftsbilde paßt, sondern die hervorragende wirtschaftliche Bedeutung des Oelbaums, der an Frucht und Oel eines der Hauptnahrungsmittel liefert und außerdem der bei weitem größten Industrie des Landes, der Seifenfabiikation, ihr Material liefert. Die Stetigkeit und Höhe der Erträge hat auch dazu geführt, daß der jüdische Nationalfonds keine bessere Verwendung seiner Ländereien gefunden hat, als durch Anlage von Olivenplantagen, wie sie von der „Oelbaumspende" beabsichtigt werden, und als die jüdische Bank in Palästina, die „Anglo Palestine Company", daran ging, für ihre Beamten einen Pensionsfonds zu schaffen, so war der erste Gedanke, daß dieser Fonds nicht in verzinslichen Staatspapieren oder dergleichen, sondern in viel höher rentablen Olivenplantagen anzulegen sei. — Möglich, daß wir in kurzem noch von einer großen Volksversicherung auf ähnlicher Basis hören werden. \ Der „Bachar".*) Bild aus dem Arbeiterleben in Palästina, von M. Wilkansky. (Aus dem Hebräischen.) Zu der Gesellschaft des Bachar gehörten auch zwei Mädchen. Diese waren wie Pionierinnen eben von Rußland gekommen, um bei uns Indschil zusammenzulesen. Vor jedem Arbeiter stand ein Körbchen, und dann gingen die Bacharmädchen mit einem großen Korbe, in den alles aus den kleinen Körbchen zusammengehäuft wurde, machten daraus einen großen Haufen am Rande des Feldes. Und nachdem der Indschil an der Sonnenhitze trocknete, wurde ein Feldfeuer damit geheizt, damit keine Spur davon übrig bleibe. Wie lieb waren uns die beiden Genossinnen! Die Schönheit des Bachar ging auch auf sie über, und sie standen bei uns in hohen Ehren. So erfanden wir ihnen auch ein besonderes Ehrenamt, indem wir sie zu Schenkerinnen machten. Fröhlich schritten sie zu. dem benachbarten Brunnen, jede einen Eimer in der Hand, und brachten Wasser — ja man muß gestehen, daß wir ziemlich viel Wasser tranken, über das natürliche Maß hinaus — du rufst nur „Wasser!" und „sie" steht schon vor dir im Arbeitsgewand, mit einem leichten Lächeln, den Krug *) Fortsetzung und Schluß aus Nummer 5 und 6.. 263