Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Jahresrückschau
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
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Verhältnisse vorliegen und gerade in dem kulturellen Abstände der beiden starken Volkselemente die Möglichkeit für einen gleichzeitigen kulturellen Aufstieg begründet seift könnte. Nun sind allerdings die leitenden Organisationen der Kolonisation und der Kulturinstitute selbst noch so wenig „durch Einigkeit stark", daß sie vielmehr manchmal — scheinbar paradox gesprochen — ihren eigenen Zielen etwas gleichgiltig gegenüberstehen. Umso erfreulicher ist es, daß die zionistische Organisation in diesem Jahre durch ihre Konstituierung einer neuen Leitung, durch eine stärkere innere Angliederung der verschiedenen Institutionen aneinander, eine entschiedenere Konzentrierung auf ihre Zwecke erstrebt. Andererseits gibt ein größeres Interesse, das sich in der Gesamtjudenheit für Palästina zu regen scheint, auch der organisatorischen Stärkung der zionistischen Bewegung und der Propagierung ihrer Ziele vielleicht einen günstigeren Boden als früher. Zeichen solcher günstigerer Stimmungen sind eine größere Zahl von nach Palästina unternommenen einzelnen und Gesellschaftsreisen und, was ja direkt notwendigen Erfordernissen zugute kommt, größere private Zuwendungen, welche, bis jetzt vor allem in Rußland u. zw. in diesem Jahre in besonders anerkennenswerter Weise, für bestimmte kulturelle Zwecke gemacht wurden. Die wichtigsten Symptome der Entwicklung müssen naturgemäß im Lande selbst beobachtet werden. Dabei ist freilich in Betracht zu ziehen, daß für einen großen Teil der einheimischen Bevölkerung Entwicklung nur gerade so viel heißt als: aus den sozial und hygienisch jämmerlichsten menschlichen Zuständen herauszukommen. Das gibt auch eine gewisse Mahnung, in dem Aufbau von Neuem nicht ohneweiters immer weiter zu schreiten, soll die Entwicklung bis zu einem gewißen Grade al 1 e Schichten der palästinensischjüdischen Bevölkerung mitnehmen. Die wirtschaftliche Krisis in Jerusalem, durch ein paar schwindelhafte Unternehmungen hervorgerufen, hat dies neuerdings gezeigt. Andererseits sind Bestrebungen, wie sie hie und da in der rückständigen Bevölkerung unter der Jugend sich regen, ein Anzeichen dafür, daß auch dort das Bedürfnis aus dem Sumpfe herauszukommen sich zu regen beginnt. Auch eine vernünftige volkserzieherische Einwirkung unter Rücksichtnahme auf die herrschenden religiösen Verhältnisse müßte hier energisch einsetzen. In diesem Sinne könnten die europäischen Orthodoxen, welche mancherorts mehr und mehr Boden zu fassen trachten, wenn sie nur den richtigen Kontrakt mit der einheimischen Bevölkerung finden, manches Gute leisten, vor allem durch Verbesserung ihrer Unterstützimgsorganisatiönen, der Chalukah an Ort und Stelle. 250