Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Der Nutzen der jüdischen Kolonisation für das Türkische Reich
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
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aus ihnen hervor, daß von den 235.491 Dunam nicht weniger als 218.091 Dunam, das sind 926 Prozent von Großgrundbesitzern und nur 17.400 Dunam, das sind 7*4 Prozent von Bauern (Fellachen) erworben wurden. Aber selbst diese Verkäufe näher betrachtet zeigen Folgendes: Die 3000 Dunam von Fe d sehe waren sandiger Boden, welchen die Fellachen überhaupt nicht bebauten. Sie selbst sind in ihren Dörfern geblieben, wo sie genügend viel Boden besitzen. Die Bauern von Kafr Saba, welche den Juden 7200 Dunam verkauften, hatten soviel Boden, daß sie dieses Terrain nicht bebauen konnten, so daß sie Gefahr liefen, daß dasselbe „machlul" erklärt, d. h. dem Staate anheimfallen würde. Sie sind in ihren Dörfern geblieben und bebauen jetzt ihre restlichen Felder, dank dem erlösten Kapital, in rationellerer und intensiverer Weise als früher. Die 2000 Dunam, welche die Kolonisten von B i r Jacob von der Gemeinde von Ramleh kauften (und in obiger Zusammenstellung in die 17.400 Dunam Bauernland einbezogen wurden), sind sandiger. Boden, welcher Beduinen als Weide gedient hat. Diese Beduinen sind auf ein benachbartes Grundstück übergegangen, wo die Juden ihnen einen Brunnen mit einem Kostenaufwand von 10.000 Frcs. herstellten. Die Fellachen, welche die 3200 Dunam an die Kolonisten von Y e m m a verkauften, haben sich auf staatlichem Boden (Tschiftlik) niedergelassen. Hat also absolut keine Verdrängung arabischer Bauern stattgefunden, so hat umgekehrt die jüdische Kolonisation Tausenden von arabischen Arbeitern Beschäftigung geboten, zu Löhnen, welche weit höher sind, als sie von den arabischen Großgrundbesitzern gezahlt wurden. So beschäftigt z. B. die Kolonie Petach-Tikwah regelmäßig mehr als 1200 arabische Arbeiter, Sichron Jacob mehr als 300 etc. Im Ganzen dürften in jüdischen Kolonien 3000 bis 4000 arabische Arbeiter beschäftigt sein. In Zeiten der Ernte steigt diese Zahl natürlich noch beträchtlich. Die Mehrzahl dieser arabischen Arbeiter sind keine „Proletarier", sondern Bauern, die in ihren Dörfern wohnen, und tagsüber in der jüdischen Kolonie arbeiten, während ihr eigener Boden von ihren Familienmitgliedern bebaut wird. Außer diesem direkten Einfluß hat aber die jüdische Kolonisation auch einen indirekten auf die Verbesserung der Lage der arabischen Bauern. Die Juden haben eine Menge neuer Kulturarten ins Land gebracht und bedeutend bessere Anbaumethoden eingeführt, als solche bis zu ihrer Niederlassung im Lande bekannt waren. Die Araber haben vieles gelernt, und gerade in der Nähe der jüdischen Kolonien blühen und gedeihen die arabischen Dörfer weitaus besser als überall anderswo. Der Nutzen der jüdischen Kolonisation für die Türkei liegt ferner nicht zuletzt darin, daß durch sie schlechter und bisher zum größten Teil gar nicht bebauter Boden mit Aufwand sehr hoher Mittel in Kultur gebracht wurde. Dies zeigt nachstehende Uebersicht der ursprünglichen Bodenbeschaffenheit in den folgenden Kolonien: Rischon leZion: Sandboden, vorher zumeist unbebaut. Wadi-Chanin: dtto. Bir Jacob: Sandboden, unbebaut, zur Viehweide benützt. 219