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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Brief aus Palästina
Date
1911-01-01
Page
Seite 203 (sequence 2)
Language
German
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bildet. In der Tat verstehen fast alle palästinensischen Juden — aber nicht alle Jüdinnen! — hebräisch. Allein damit ist im Grunde genommen für die neuhebräische Literatur noch wenig gewonnen. Wir müssen offen bekennen, daß das Gros der palästinensischen Judenheit, die Aschkenasim des alten Jischuw und fast alle Sefardim, noch kein Kulturelement im eigentlichen Sinn bilden. Höchstens können sie das Aufkommen eines Zeitungswesens begünstigen, das von einer gewissen Sorte amerikanischer Presse nur durch die beschränkten Mittel, nicht aber durch ihre Psyche verschieden ist. (Selbstredend habe ich hier nicht die beiden Arbeiterorgane im Auge.) Nein, auf die große Masse der palästinensischen Juden kann momentan die moderne hebräische Literatur nicht rechnen. Für sie kommen vorläufig nur einige wenige tausend Juden in Betracht, aber das merkwürdige ist, daß diese wenigen zumeist ein so inniges Verhältnis zur hebräischen Literatur haben, daß man getrost in die Zukunft schauen kann. Das ist aber auch ganz, verständlich. Sie sind aus Ländern hergekommen, in denen es an geistigen Bewegungen und einem gewissen Kulturleben nicht gefehlt hat, und finden in Palästina das gedruckte hebräische Wort als einziges Kulturelement vor. Noch wichtiger für die Entwicklung der hebräischen Literatur ist der Umstand, daß sie in ihren Bedürfnissen durch die in Rußland entstandenen Schöpfungen nicht befriedigt werden können und sie nolens volens zu neuen Schöpfungen Anlaß geben. Da ist in erster Reihe das weite Gebiet der Schulbücher. Da man an dem Prinzip festhält, daß sämtliche Gegenstände im Hebräischen unterrichtet werden müssen, so ist der Mangel an hebräischen Schulbüchern geradezu ein brennender. Der Verlag „Kohelet" sucht diesem Mangel abzuhelfen. Er geht vorsichtig zu Werk und bietet gediegene Werke. Auch das hebräische Gymnasium in Jaffa hat einen eigenen Fonds für Herausgabe von Schulbüchern, zu dem Jakob Schiff aus New-York die ersten 5000 Frcs. beigesteuert hat. Es steht zu hoffen, daß das nächste Dezennium auf diespm Gebiete einen reichlicheren Ersatz bringen wird. Aber nicht nur die Schuljugend, auch die Erwachsenen haben ihre geistigen Bedürfnisse. Von den verschiedenen Versuchen haben vorläufig zwei Anklang gefunden und erscheinen in ihrer Existenz gesichert. „Le-am" und „Jeffeth". Le-am (für das Volk) gibt kleine populär-wissenschaftliche Bücher heraus, von denen jedes mindest einen Druckbogen umfaßt und zu dem billigen Preise von 5 Cts. in Palästina, 20 Cts. außerhalb Palästinas verkauft wird. Im ersten Jahre sind 10 Nummern erschienen und insgesamt 11 500 Exemplare verkauft worden. Interessant sind die Zahlen für den Absatz in Palästina. Die Kolonien gehen dabei voran : es wurden abgesetzt : in Obergaliläa . . „ Untergaliläa . . „ Petach-Tikwah „ Chedera . . . „ Rechoboth . . „ Rischon le Zion 130 in Sichron Jakob ... 40 100 „ Wadi Chanin ... 30 1C0 „ Ekron.......25 50 „ Gederah......20 40 „ Kastinieh.....20 40 Exemplare durchschnittlich von jeder Nummer. 203

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