Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Zum Kulturproblem
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 7)
- Language
- German
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urteil sich brechen können. Gegensätze, die einander verstehen, können sich ergänzen. Es muß aber auch, von der noch ungeschiedenen Indifferenz abgesehen, einen lebendigen gemeinsamen Punkt in den Gegensätzen geben.-- Brief aus Palästina. (Das hebräische Verlagswesen). Die neuhebräische Literatur hat nicht so sehr an einem Mangel eines lesenden und kaufenden Publikums als an der Zerstreuung dieses Publikums zu leiden. Bis in die letzte Zeit hinein lagen die Verhältnisse noch am günstigsten in Rußland, da unter den dortigen jüdischen Volksmassen genug Kenner und Freunde des Hebräischen sich befanden, die das Aufkommen eines regulär funktionierenden hebräischen Verlagswesens ermöglichten. Da ich Rußland nur vom Hörensagen und aus der Lektüre kenne, will ich mich darüber nicht länger auslassen. Ich möchte bloß die Wahrnehmung ausdrücken, daß die kolossale Auswanderung der jüdischen Jugend aus Rußland, die in den letzten {ahren vor sich gegangen ist, dem dortigen Verlagswesen Wunden geschlagen hat, die noch lange nicht geheilt sind. Noch funktionieren dort einige altrenommierte Verlagsanstalten, aber es fehlt der frisch-fröhliche Schwung, es fehlt nunmehr der Drang, alles Menschliche liebevoll zu umfassen. Man beschiänkt sich in der Hauptsache auf das Erbteil der alten und jüngsten Vergangenheit, man scheut die Honorare und beschränkt die Drucksorten auf das Mindestmaß. Bezeichnend ist, daß es in der „Bibliothekah hagedolah" die vom Verlag „Tuschijach" seit einem Jahre herausgegeben wird und deren Programm für viele Jahre festgesetzt ist, an einer Abteilung für Uebersetzungen aus anderen Sprachen fehlt. Und was den jetzigen Druck betrifft : erst in diesen Tagen erschien im Verlag „Safruth" in Warschau Breuers neue Erzählung „Mikaan umikaan", die in bezug auf Versündigung an einem Buche durch schlechten Druck alles bisher Geschehene in den Schatten stellt. Eine rühmliche Ausnahme in letzter Beziehung bildet der Verlag „Moriah" in Odessa, er beschränkt sich jedoch vorläufig ebenfalls auf Wiederabdruck. Nach Rußland kommen Galizien und Amerika in Betracht. In beiden Ländern wiederholen sich fast alljährlich schüchterne Versuche, einen eigenen hebräischen Verlag ins Leben zu rufen, ohne daß es bisher zu einem auch nur bescheidenen Erfolg gekommen ist. Das einheimische Publikum reicht nicht hin, um einen leistungsfähigen Verlag zu unterhalten, und der Verkauf im Ausland hat bei dem Fehlen geordneter Buchhandlungen große Hindernisse zu bewältigen. In letzter Zeit ist es Palästina, das auf dem Gebiete des hebräischen Verlagswesens ernsthafte und beachtenswerte Versuche unternimmt. Es ist oft betont worden, daß das Hebräische ein Verständigungsmittel unter den aus den verschiedenen Ländern stammenden palästinensischen Juden 202