Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Bemerkungen zur arabischen Frage
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 1)
- Language
- German
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Bemerkungen zur arabischen Frage. Von Dr. Hugo Bergmann, Prag. Niemand zweifelt daran, daß sich in den letzten Jahren ein vollständiger Umschwung in unsern Ansichten über Palästina und die jüdische Kolonisation daselbst vollzogen hat. Während wir früher die formal-rechtlichen Garantien für das Um und Auf unserer Arbeit angesehen hatten, legen wir jetzt das Schwergewicht auf die reale Inbesitznahme des Landes durch Juden. Doch fehlt noch viel dazu, daß wir aus dieser Aenderung unserer theoretischen Stellungnahme die praktischen Folgerungen gezogen hätten. Sonst müßte man auf jüdischer Seite vor allem darüber ins Klare gekommen sein, in welches Verhältnis man zu den derzeitigen Einwohnern Palästinas zu treten gewillt ist und welches die Richtschnur unseres ökonomischen und politischen Verhaltens ihnen gegenüber sein soll. Von den 700.000 Einwohnern Palästinas sind beinahe 600.000 Araber. Sollten wir uns da nicht ernstlich fragen, welche Probleme für unsere Siedelungsbewegung aus der Tatsache entstehen, daß Palästina über eine halbe Million Menschen hat, welche seit Generationen das Land bewohnen, es als ihre Heimat betrachten und — wenigstens jetzt — dermaßen die Herren aort sind, daß sie den Charakter des Landes bestimmen? — Einiges zu diesem Problem will die folgende Betrachtung vorbringen. Die arabische Frage ist für uns zunächst eine rein numerische. Nehmen wir die Zahl der palästinensischen Araber rund mit 600.000 an und ihre jährliche Vermehrungsquote mit 1 Prozent, so ergibt sich die in zionistischen Kreisen völlig ignorierte Tatsache, daß sich die arabische Bevölkerung von Erez Israel jährich um 6000 Seelen vermehrt. Dieser Zuwachs ist ja an sich nicht beträchtlich und wir werden erst stutzig, wenn wir überlegen, daß die Zahl der jüdischen Bauern, die mit soviel Opfern und so großem Idealismus innerhalb von 30 Jahren in Palästina seßhaft gemacht worden sind — 7000 beträgt. Es ist also die Zahl der in den letzten dreißig Jahren am Lande angesiedelten Juden ungefähr ebenso groß wie der jährliche natürliche Zuwachs der arabischen Bevölkerung. Man pflegt in zionistischen Kreisen mit freudiger Genugtuung die Begründung der kleinsten Siedelung zu begrüßen, und das ist sicher berechtigt, wenn man den moralischen Einfluß und die nationale Bedeutung erwägt, welche die Kolonien für uns haben. Aber im Verhältnis zu dem von uns angestrebten Ziele, Palästina eine jüdische Majorität zu geben, sind — darüber dürfen wir uns nicht täuschen — derartige Erfolge unbedeutend. Halten wir uns vor Augen, daß Palästina wie jedes Land „den Charakter des mächtigsten Bevölkerungselementes trägt", so werden wir mit Elias Auer- 190