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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 189

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Die landwirtschaftliche Kolonisation unter den Juden
Date
1911-01-01
Page
Seite 189 (sequence 6)
Language
German
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Diese Rückkehr zur Landwirtschaft aus nationalen Motiven, die wir in folgendem kurz die nationale Kolonisation nennen wollen, ist der bisher geübten philanthropischen Kolonisation durchaus überlegen. Während die philanthropische Kolonisation sich nur an die Besitzlosen wenden kann und will, kann die nationale Kolonisation alle Schichten der Judenheit ergreifen. Sie kann die großen eigenen Mittel der philanthropischen Kolonisation entbehren, weil sie die kleinen und mittleren jüdischen Kapitalisten für sich gewinnen und ihre Gelder den Kolonisationszwecken dienstbar machen kann. Ihr Ziel, durch die Kolonisation den Grundstock einer wirtschaftlich gefestigten jüdischen Gemeinschaft zu schaffen, ist imstande, die Begeisterung zu entfachen und dadurch viele Schwierigkeiten zu überwinden, an denen die philanthropische Kolonisation scheiterte. Will man die Lehren der bisherigen Kolonisation in einigen Worten zusammenfassen, so kann man folgende Sätze aufstellen : Für den Getreidebau sind nur solche Juden geeignet, die von Jugend auf in der Landwirtschaft leben. Für Leute im reiferen Alter ohne Kenntnis der Landwirtschaft bietet der Erwerb fruchttragender Pflanzungen die einzige Möglichkeit, zur Landwirtschaft zurückzukehren. Für die Kinder dieser Leute ist die Pflanzungswirtschaft eine Zwischenstufe, durch die sie sich in die Landwirtschaft einleben und zum Getreidebau fortschreiten können. Die philanthropische Kolonisation, die dem unbemittelten Kolonisten Land, Haus und Inventar übergibt, erfordert enorme Mittel und hat einen relativ geringen Nutzeffekt, weil ein beträchtlicher Teil der mit hohem Kostenaufwand angesiedelten Kolonisten sich für die Landwirtschaft als untauglich erweist und abfällt. Die wichtigste Frage in der Kolonisation ist die Erhaltung des Arbeitseifers und das Ausharren auch bei widrigen Verhältnissen. Der unbemittelte Kolonist ist zu leicht geneigt, die ganze Wirtschaft im Stich zu lassen oder Unterstützung zu fordern. Nur der bemittelte Kolonist bietet die Gewähr, daß er bei seiner Wirtschaft bleibt und sich mit eigener Kraft durchschlägt. Die philanthropischen Kolonisationsgesellschaften könnten weit bessere Resultate erzielen, wenn sie sich darauf beschränkten, nach Art der europäischen Agrarbanken bemittelten Leuten durch Gewährung von Kredit die Ansiedlung als Häusler, Getreidebauern oder Pflanzungsbesitzer — je nach Maßgabe der Mittel und Fähigkeiten der einzelnen — zu erleichtern. Eine Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft im großen Umfange kann nicht durch die Tätigkeit der philanthropischen Kolonisationsgesellschaften, sondern nur durch eine nationalen Motiven entspringende Kolonisationsbewegung eintreten, die auch, die bemittelten Juden in ihren Bann zwingt. M 1SQ

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