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Palästina · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 166

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Der Bachar
Date
1911-01-01
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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Auch Kolonisten kommen, um zuzusehen, jeden Tag, ja fast jede Stunde, stehen, betrachten alles prüfenden Blicks, gehen von einem zum andern, bei den Besten länger verweilend, und müssen uns ins Gesicht loben. Manche von ihnen steigen in die Grube und zeigen uns die Vollendung der Arbeit. „Sehr gut, sehr gut l" Und die „Bacharanim" antworten mit einem Freudengeschrei, wie kleine Kinder, die die Prüfung bestanden. Auch solche Kolonisten kommen, welche ihren Bachar durch Araber machen lassen, diese schauen schweigend zu und wenden sich dann an unseren Herrn: „So ist es gewiß gut, während wir beinahe zerspringen vor Aerger mit dem ewigen „Jallah"rufen*) — über die faulen Araber". „Auch kannst du sicher sein, versetzt der zweite, daß sie den Indschil nicht absichtlich im gepflügten Boden vergraben, damit er noch einmal wachse und sie mehr Arbeit haben". Einige Kolonisten, die erst Orangerien anlegen wollen, versprechen ihren Bachar in jüdische Hände zu geben, worüber unser Herr sich sehr glücklich zeigt. Er verbirgt ein Lächeln in seinem runden, schon etwas grau angelaufenen Bart und wirft uns einen gütigen Blick zu. Und wir stehen bis zu den Knien in der Grube, schon gegen zwanzig Mann, denn auch mancher, der keine Arbeit hat, wird bei uns aufgenommen. Die Sonne senkt sich zum Meere hinab. Bald gehen wir nachhause. Das Siebenstundengesetz haben wir nicht ein einziges Mal verletzt, das war unser Prinzip, und so legen wir die Arbeitsgeräte nieder, während die Araber auf den benachbarten Feldern noch arbeiten . . . Einige von uns wollen sich verstecken, um denen vom „Pardes" aufzulauern. Diese gehen vorüber, da springen schon „Räuber" auf sie los und nehmen ihnen die Orangen, womit sie Taschen, Körbe und Säcke gefüllt — und keiner wagt es gegen die übermütigen „Bacharanim" aufzustehen; nur wer guten Willens sich berauben ließ, bekommt selbst einen Teil der Beute! Eigentümlich ist der Boden in Erez Israel, mitunter von Schritt zu Schritt verschieden an Beschaffenheit. Da hast du im Sand gegraben und plötzlich —- Lehmboden. Unser Herr betet um Lehmboden, während wir ihn verfluchen. Es gibt ja solchen, den man noch durchschlagen kann, aber auch solchen, gegen den Spaten und Aexte nichts helfen. Man wirft den Spaten mit aller Kraft hinein, er stößt wie an Stein an, nur die Spitze haftet am Lehm, aber es ist unmöglich, sie herauszuziehen. Da mußt du Stück für Stück loslösen, mit Aufgebot der äußersten Geduld, Hände und Füße schmerzen und der ganze Körper wird schwach — während die hinter dir, die nur Sand vor sich hatten, schon zu vieren dir im Rücken sind und Platz wollen. Und dann, bist du schon fertig, alles zurecht gehauen, der Boden gerade, da kommt unser Herr mit seinem Maßstab gesprungen und findet, daß einige Zentimeter Tiefe fehlen, so daß du die ganze „Paraschah" noch einmal beginnen mußt . . . Dann wieder stößt *) Ein arabischer Ruf (soviel wie „Vorwärts!"), hier als Antrieb zur Arbeit. 166

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