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Palästina · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Individualismus und Harmonie der Entwicklung
Date
1911-01-01
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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Verschiedenheit. Eine solche ist wenigstens dort vorhanden, wo verschiedene Organisationen auf kulturell verschiedene Bevölkerungselemente Einfluß nehmen, oder überhaupt geschiedene Wirkungsgebiete haben. Aus diesem Grunde besteht z. B. zwischen dem zionistischen Arbeitsystem und rein philanthropischen Tendenzen kein Reibungspunkt. In immer höherem Maße könnte aber eine solche systemlose Divergenz von Organisationen — die in einem gewissen Maße sich auch in die einzelne Organisation hineinerstreckt und sogar innerhalb des sozialen Eigenlebens Palästinas wiedererscheint — zu einem organischen Ganzen hinstreben, je mehr allmählich die Einheit in den einheitlichen Organisationskräften des Landes selbst gefunden würde. Allerdings sind heute äußere, gleichsam von Europa hineingetragene „Administrationen" gegenüber dem noch zentrenlosen Leben Palästinas sehr notwendig — und manche Elemente, die sich als „Palästinenser" organisieren wollen, sind ja auch noch gestrige Osteuropäer — ja sie haben noch immer als organisierendes Element eine Bedeutung. Nur in jenem Maße, als sich ein jüdischer Bevölkerungskern in Palästina bildet, der auch auf alle Bevölkerungselemente Einfluß hat, wird er von selbst dahin wirken, die leitenden Organisationen aus der Fülle der Notwendigkeiten her zur Verständigung zu bringen, um nach und nach von innen heraus sich selbst zu organisieren. Es würden damit nicht alle Elemente, ja nicht die eigentlichen Ursachen jenes unorganischen Individualismus aus der Welt geschafft — äußert sich derselbe doch auch in prinzipiellen Gegensätzen der ganzen Lebensauffassung, zu deren Ausgleichung es sozusagen eines Einheitspunktes des Verständnisses bedürfte. Es scheint sogar, daß jener Individualismus der Lebensgestaltung, der heute noch in schlummernden Gegensätzen des Volkslebens oder in äußerer Getrenntheit der kulturell verschiedenen Volksschichten ruht, mit dem Wachstum der Entwicklung erst hervortreten wird. Nur eine von bloßer Politik, von bloßer Organisationsform, ja selbst vom Enthusiasmus des Augenblicks losgelöste ernste Erfassung des ganzen Kultur- und Lebensproblems scheint überhaupt dazu führen zu können, solche „Grundfragen zu lösen". \ Daten über die jüdische Bevölkerung Jerusalems. In Heft III des „Haschiloah" veröffentlicht J. Barsilai eine aus privaten Angaben entspringende ungefähre Statistik, der wir unter anderem folgendes entnehmen: In den verschiedenen Kolelim sind eingetragen: in. der sephardischen Gruppe 13.200 Personen „ „ aschkenasischen „ 27.170 „ außerhalb der Kolelim ' 4000 Zusammen eine jüdische Bevölkerung von 44.370 Personen (Luncz zählt in seinem Jahrbuch 48.400 Personen.) 155

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