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Palästina · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 123

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die finanzielle Krisis in den Jerusalemer Wohltätigkeitsanstalten
Date
1911-01-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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Heime, die Jünger der Jeschiwahs und die Geldverleiher, die sehr häufig um ihren letzten Sparpfennig gekommen sind, weit hinaus. Denn auch diejenigen Institute, die noch als gesund zu betrachten sind, haben durch das allgemeine Mißtrauen, das jetzt bei den noch vorhandenen Kreditgebern platzgegriffen hat, einen schweren Stand. In der Not der Stunde haben sich allgemein zwei Förderungen geltend gemacht: die Wahl eines allgemein anerkannten Waad hair (Gemeindevertretung) und die Einsetzung eines Oberrabbiners für die aschkenasische Gemeinde. Die offizielle Gemeindevertretung im Verein mit dem zu wählenden Oberrabbiner sollen die Verwaltung, sowie die Begründung der gemeinnützigen Institute überwachen und auf diese Weise das Vertrauen in Jerusalem selbst, wie auch bei der ausländischen Judenheit wiederherstellen. Die Wahlen zum Waad hair sind bereits im Gange und sie sind gewiß als Anfang einer Besserung von allen Freunden Jerusalems warm zu begrüßen. Aber damit einmal endgiltig Ordnung und Billigkeit auf diesem Gebiete hergestellt werden, muß sich zuerst in Europa die Erkenntnis der Notwendigkeit der Abschaffung der 19 Kolelim, sowie jeder Separation auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege Bahn brechen. Nur auf diese Weise wäre eine wirkliche Kontrolle durchführbar, und man würde einerseits ungemein viel an den Verwaltungsspesen und hohen Tantiemen für die Sendlinge sparen und andererseits würde die Verteilung nach den Prinzipien der Gerechtigkeit und nicht nach dem zufälligen Herkunftslande erfolgen können. Zumindest in Jerusalem müßte der Grundsatz: „Jisrael goi echad baarez" als rocher de bronce aufgestellt werden. Dann würde auch die Reorganisation der Chalukah und die allmählige Überführung zumindest desjenigen Teils der Jugend, der für das Talmudstudium nicht begabt ist, zur produktiven Tätigkeit nur noch eine Frage der Zeit sein. Doch das alles ist Zukunftshoffnung. Zurzeit herrscht die grösste Not. Die erste Hilfe leistete der neue Jischuw. In Jaffa und in den umliegenden Kolonien wurden ca. 4.000 Frcs. aufgebracht, um die Not der ersten Tage zu stillen. Es ist überhaupt bezeichnend, daß der neue Jischuw Teilnahme und Verständnis für die Leiden und Prüfungen des alten Jischuw hat, umsomehr, als noch vor einem Jahre, zur Zeit der Schemittahfrage von entgegengesetzter Seite die Produkte der jüdischen Kolonien in den Bann getan waren. w 123

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